Dirty Projectors – „Super João“


Künstler Dirty Projectors

Dirty Projectors Super João Review Kritik

„Super João“ ist die dritte von fünf EPs, die es 2020 von Dirty Projectors geben wird.

Album Super João
Label Domino
Erscheinungsjahr 2020
Bewertung

Die Idee ist so ehrenwert wie einleuchtend: Dave Longstreth ist es leid, dass Dirty Projectors häufig als sein Soloprojekt betrachtet werden. Also hat die Band für 2020 fünf EPs geplant, auf jeder davon steht eines der Mitglieder im Mittelpunkt. „Dieser Zyklus handelt von Wachstum, Übergang, Grenzgebieten und Identitätswechsel. Alan Ginsberg hat den Ausdruck „erster Gedanke, bester Gedanke“ geprägt, um eine bestimmte Art des Schreibens zu benennen – schnell, spontan, vertrauensvoll. Für mich geht es in diesen Songs darum, diesen Ort wiederzuentdecken. Und ich denke für uns – Felicia, Maia, Kristin, Mike und mich – geht es darum, ihn zum ersten Mal zu finden: Wir wollen als neue Band zusammen spielen, schreiben und lernen“, erklärt er dazu.

Blöderweise ist er bei der dritten dieser fünf Veröffentlichungen jetzt doch wieder bei sich selbst gelandet, denn Super João ist die EP, die ihm selbst eine Spielwiese eröffnet. Die vier sehr reduzierten Songs hat er mit seinem Nachbarn Kyle Thomas (King Tuff) in Brooklyn aufgenommen, bei den Texten hat Kyle Field (Little Wings) unterstützt.

Der 38-Jährige benennt als Referenzen beispielsweise Arthur Russell und Chet Baker, natürlich auch den 2019 verstorbenen brasilianischen Bossa-Nova-Pionier João Gilberto, auf den der Titel der EP („Super João ist ein Gefühl“, sagt Longstreth). Man hört das gleich im ersten Song Holy Mackerel mit einem dezenten Latin-Flair in dem, was man kaum „Beat“ nennen mag, und den Akkorden der Nylonsaiten-Akustikgitarre, die in den vier Liedern das zentrale Instrument ist, oft auch das einzige. I Get Carried Away ist verspielt in Melodieführung und Rhythmus und unterstreicht den Geist von Spontaneität auf Super João: Es klingt, als komme ihm jeder Ton und jedes Wort erst in diesem Moment in den Sinn. In You Create Yourself steht seine Stimme noch mehr im Fokus. Eine leise Gitarre, gelegentliche Klavierakkorde und ein paar Töne auf dem Bass, die im Refrain die Gesangsmelodie begleiten, sind die einzige Begleitung. Moon, If Ever strahlt eine Naivität aus, die gar nicht schlimm erscheint, sondern ursprünglich, und nicht nur beim zuckersüß gesungenen „It’s you, it’s you“ an Simon & Garfunkel denken lässt.

Das Ergebnis ist nie so zwingend, dass man selbst als Fan der Dirty Projectors nicht auch ohne diese Lieder leben könnte. Aus Sicht der Band selbst ist das aber eine sehr konsequente und schöne Umsetzung des Konzepts dieser EP-Reihe: Die vier Songs wirken nicht unfertig, sondern lebendig.

Auch das Video zu Holy Mackerel konzentriert sich aufs Wesentliche.

Website der Dirty Projectors.

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