Draufgeschaut: Die Ausbildung


Jan (Joseph Konrad Bundschuh) will nach der Lehre übernommen werden.

Jan (Joseph Konrad Bundschuh) will nach der Lehre übernommen werden.

Film Die Ausbildung
Produktionsland Deutschland
Jahr 2011
Spielzeit 85 Minuten
Regie Dirk Lütter
Hauptdarsteller Joseph Konrad Bundschuh, Anke Retzlaff, Anja Beatrice Kaul, Charlotte Bohning, Stefan Rudolf, Dagmar Sachse
Bewertung

Worum geht’s?

Noch ein halbes Jahr läuft die Ausbildung von Jan in einer Softwarefirma. Er betreut Kunden am Telefon, kommt gut mit den Kollegen aus und hofft, nach dem Ende der Lehre übernommen zu werden. Als sein Personalchef versucht, den Azubi zum Spitzel zu machen, der über die Schwächen der Abteilungsleiterin auspacken soll und dafür vielleicht mit einer Übernahme belohnt werden könnte, gerät Jan in eine Zwickmühle. Sind ihm seine Karrierechancen wichtiger als das gute Verhältnis zu seinen Kollegen?

Das sagt shitesite:

Subtiler Druck, leere Versprechungen, angeberisches Business-Englisch, sterile Arbeitsplätze: Vieles in Die Ausbildung erinnert an Work Hard, Play Hard. Im Vergleich zum Dokumentarfilm von Carmen Losman kann hier durch die fiktive Handlung aber noch mehr zugespitzt werden, ohne dass die Glaubwürdigkeit darunter leiden würde, und das ist die Stärke von Die Ausbildung.

Jan ist kein Blender, kein Streber und Karrieretyp. Er ist schweigsam und verklemmt. Sein Gesicht kennt kein Selbstvertrauen und keine Lebensfreude (und damit auch: keine Rebellion), nur die Unsicherheit, ob er dem gerecht werden kann, was er von sich selbst erwartet. Denn er träumt von großen Autos, teuren Handys, schicken Klamotten – und er weiß, dass der Weg dahin nur über eine schnittige berufliche Laufbahn führt.

Er will funktionieren, nicht aufmucken, sich halbwegs anständig durch ein unmenschliches System schummeln. Mit seiner Mutter, die im Betriebsrat sitzt und so etwas wie das Modell von der alten, sozialen Marktwirtschaft vertritt, wird ein reizvoller Gegenpol eingeführt. Noch stärker (allerdings auch etwas plump) wird dieser Effekt bei Jenny, die als Zeitarbeiterin in Jans Abteilung kommt und mit der sich bald ein schüchterner Flirt entwickelt. „Machen doch alle“, sagt er, als er ihr ein (laut Betriebsvereinbarung verbotenes) Glas Sekt anbietet, um auf den Geburtstag einer Kollegin anzustoßen. „Ich bin nicht alle“, erwidert sie mit Verweis auf ihre 24-Stunden-Kündigungsfrist.

Wunderbar zeigt Die Ausbildung den Kapitalismus-Terror: Die Arbeit dominiert das gesamte Leben. Alles ist zielgerichtet, überall ist der Druck zur Optmimierung spürbar. Daneben sind immer wieder Szenen mit völlig sinnlosen Arbeiten zu sehen, beispielsweise wenn Jan dem Kopierer beim Kopieren zuschaut oder der vorgeblich kumpelhafte Personalchef mit größter Akribie ein Gemälde in seinem Büro aufhängt. Überall herrscht Konkurrenz statt Kooperation. Wohl, um das noch zu unterstreichen, sind in Die Ausbildung zwischendurch immer wieder Passagen zu sehen, in denen ein Chor singt – wie als Beweis dafür, wie schön ein harmonisches Miteinander zum Zwecke eines gemeinsamen Ziels sein kann.

Bestes Zitat:

“Ich mag dich. Wir stehen nur auf unterschiedlichen Seiten.”

Der Trailer zum Film:

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