Draufgeschaut: Fremde Haut


Film Fremde Haut

Fariba (Jasmin Tabatabai) gibt sich als Mann aus.

Fariba (Jasmin Tabatabai) gibt sich als Mann aus.

Produktionsland Deutschland, Österreich
Jahr 2005
Spielzeit 97 Minuten
Regie Angelina Maccarone
Hauptdarsteller Jasmin Tabatabai, Anneke Kim Sarnau, Navíd Akhavan, Georg Friedrich,  Jens Münchow, Hinnerk Schönemann
Bewertung

Worum geht’s?

Im Iran arbeitet Fariba als Übersetzerin – und sie liebt eine Frau. Als ihr deshalb die Todesstrafe droht, flieht sie nach Deutschland und hofft auf Asyl als politisch Verfolgte. Ihr Antrag wird allerdings abgelehnt und ihr droht die Abschiebung. Da bietet sich eine letzte Chance: Fariba gibt sich als ein Landsmann aus, dessen Asylantrag angenommen wurde. Tatsächlich kommt sie damit durch und landet in einer Unterkunft für Flüchtlinge in der Nähe von Stuttgart. Auch dort muss sie die Tarnung allerdings aufrecht erhalten und sich als Mann ausgeben – was spätestens dann schwierig wird, als sich ein Flirt mit Anne anbahnt, die sie bei der Schwarzarbeit in einer Lebensmittelfabrik kennen lernt.

Das sagt shitesite:

„Refugess welcome“, scheint die unterschwellige Botschaft von Fremde Haut zu lauten. Tariba und die anderen Flüchtlinge haben es hier natürlich schwer, aber sie werden überall akzeptiert, respektiert, unterstützt – sogar die Polizisten sind in diesem Film freundlich. Das wirkt in Zeiten von Pegida & Co. durchaus überraschend. Trotzdem ist das Drama weit davon entfernt, das Thema in rosaroten Farben zu malen. Im Gegenteil: Die Atmosphäre ist oft bedrückend, die Leistung von Hauptdarstellerin Jasmin Tabatabai trägt ebenfalls dazu bei, Fremde Haut viel emotionale Tiefe zu verleihen.

Am meisten beeindrucken die Szenen am Flughafen, wo die Flüchtlinge im Niemandsland ausharren müssen, zwischen Hoffen und Bangen. Sehr eindringlich wird hier gezeigt, wie reizvoll der Traum von einem neuen Leben ist, wie schmerzhaft die Sehnsucht nach der alten Heimat, nach der Familie und den Freunden, die sie zurücklassen mussten – und wie schmal der Grat dazwischen.

Als es Fariba durch einen Trick zumindest ins angeblich gelobte Land außerhalb des Flughafens geschafft hat, wird dieser Film allerdings eher die Geschichte eines persönlichen Dramas als eine politische Analyse. Schnell wird klar: Es ist überall auf der Welt hart genug für eine Frau, die sich als Mann ausgeben muss. Noch schwerer wird es, wenn sie keine Bürgerrechte hat, kein Geld, keine Freunde und keine Privatsphäre. Dieser Gedanke wird allerdings ein bisschen überstrapaziert, auch die eine oder andere Banalität in den Nebensträngen der Erzählung wäre verzichtbar gewesen.

Zum Ende hin wird Fremde Haut wieder besser, weil universeller. Kurz vor Schluss hat der Film seinen besten Moment in einer Nacktszene: Als Anne behutsam Fariba entkleidet, ist das ein wundervolles Bild für die zentrale Aussage dieser Geschichte, die da lautet: Sieh nicht die Ausländerin in mir, nicht die Homosexuelle, nicht die Arbeitskollegin, nicht den Flüchtling! Sieh den Mensch in mir!

Bestes Zitat:

„Können Sie das Todesurteil als beglaubigte Kopie vorlegen?“

Der Trailer zum Film.

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