Draufgeschaut: Gainsbourg


Serge Gainsbourg (Éric Elmosnino) liegen die Frauen zu Füßen.

Serge Gainsbourg (Éric Elmosnino) liegen die Frauen zu Füßen.

Film Gainsbourg – Der Mann, der die Frauen liebte
Produktionsland Frankreich
Jahr 2010
Spielzeit 113 Minuten
Regie Joann Sfar
Hauptdarsteller Éric Elmosnino, Lucy Gordon, Laetitia Casta, Doug Jones, Anna Mouglalis, Mylène Jampanoï, Sara Forestier
Bewertung

Worum geht’s?

Auf Klavierunterricht hat der kleine Lucien Ginsburg keine Lust. Er will lieber malen, von Mädchen träumen und hat außerdem reichlich zu tun, um sich als Jude im besetzten Frankreich vor den Nazis zu verstecken. Als der Krieg vorbei und Lucien ein junger Mann ist, wendet er sich doch wieder der Musik zu. Er nennt sich fortan Serge Gainsbourg und feiert große Erfolge als Komponist und Sänger. Die Traumfrauen sind plötzlich Realität in seinem Leben. Gainsbourg will sich allerdings keinesfalls damit begnügen, Saus und Braus zu genießen. Er nutzt seine Popularität für seine liebste Aufgabe: die Provokation.

Das sagt shitesite:

Ein paar Minuten lang muss man sich Sorgen machen um diesen Film. In der ersten Szene wird der junge Serge Gainsbourg (damals noch Lucien Ginsburg) am Strand von einem Mädchen abgewiesen, und es steht zu befürchten, dass Gainsbourg (zumal mit einem so dämlichen deutschen Zusatztitel) sich fortan in erster Linie auf küchenpsychologischem Niveau à la „die eine hat er nicht gekriegt, und deshalb wollte er später alle anderen haben“ abspielen wird. Doch davon kann glücklicherweise keine Rede sein. Gainsbourg wird ein hoch originelles, gleichermaßen einfühlsames wie respektloses Biopic.

Der Film ist ein optischer Hochgenuss, voller schöner Bilder und Farben und, quelle surprise!, voller schöner Frauen. Das ist Ehrensache bei einer Titelfigur, die die Kunst liebte und noch mehr die Frauen als schönste und rätselhafteste Kunstwerke der Welt. Dazu kommt ein sehr geschickter Einsatz von Tricktechnik und die gekonnte Konzentration auf Schlüsselszenen im Leben Gainsbourgs.

Der beste Einfall ist hier Gainsbourgs Alter Ego, genannt „die Fresse“. Diese Figur, mit Riesennase, Segelohren und immer einer Kippe im Mund, verfolgt Gainsbourg, führt ihn in Versuchung und treibt ihn an. In ihr sind all seine Konflikte, Neurosen und Schwächen präsent, seine Unruhe und seine Sucht. Dadurch gelingt es mit wunderbarer Leichtigkeit, die Zwiespältigkeit dieses Künstlers auf die Leinwand zu bringen, ohne ihn zu verteufeln oder allzu sehr zu heroisieren. Die Begegnungen mit „der Fresse“, die sich niemals abschütteln lässt, zeigen: Serge Gainsbourg hat unter seinem Leben genauso gelitten wie er es genossen hat, er war Prahlhans und Casanova ebenso wie verklemmt und schüchtern.

Gainsbourg schafft es so auf sehr poetische Weise, das Faszinierende an diesem Mann einzufangen, der nichts von einem Beau hatte und dem doch die schönsten Frauen der Welt zu Füßen lagen: Was ihn attraktiv machte (neben seinem Talent), war vor allem die Tatsache, dass er das Leben liebte und zugleich verachtete.

Bestes Zitat:

„Django [Reinhardt] kann keine Akkorde. Und keine Noten. Aber er kann Musik machen.“

Der Trailer zum Film:

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