Nowhere Boy


Film Nowhere Boy

Szene aus dem Film "Nowhere Boy" mit Aaron Taylor-Johnson

John Lennon (Aaron Taylor-Johnson) wünscht, er wäre Elvis.

Produktionsland Großbritannien
Jahr 2009
Spielzeit 93 Minuten
Regie Sam Taylor-Wood
Hauptdarsteller Aaron Taylor-Johnson, Thomas Sangster, Kristin Scott Thomas, Anne-Marie Duff
Bewertung

Worum geht’s?

Als John Lennon noch ein Junge war, lautet der Untertitel, den der deutsche Verleih Nowhere Boy verpasst hat. Der Film erzählt vom Ende seiner Schulzeit in Liverpool und den Anfängen der Beatles bis zu ihrer Abreise nach Hamburg. Im Mittelpunkt steht John Lennons schwierige Beziehung zu seiner Tante Mimi, bei der er aufwächst, und die Sehnsucht nach seiner Mutter Julia.

Das sagt shitesite:

Es kommt nicht allzu oft vor, dass ein Film im Abspann noch einmal zusätzliches Gewicht bekommt, aber auf Nowhere Boy trifft das zu: Als die Credits über die Leinwand rollen, wird das untermalt von Mother, dem 1971er Song von John Lennon. Er hat ihn rund 15 Jahre nach den hier erzählten Ereignissen geschrieben – und diese Tatsache zeigt (ebenso wie beispielsweise das noch zu Beatles-Zeiten entstandene Julia), wie sehr ihn die problematische Beziehung zu seiner Mutter tatsächlich zeitlebens zermürbte.

Dieser Hinweis ist wichtig, denn ohne ihn wäre die Fixierung auf Lennons angeblichen Ödipus-Komplex in Nowhere Boy arg penetrant und unglaubwürdig. Unangenehm stößt auch die Tatsache auf, dass Mimi, gespielt von der sonst stets schillernd kraftvollen Kristin Scott Thomas, über weit mehr als die Hälfte des Films ein langweiliges Klischee bleibt.

Zumindest fragwürdig ist auch, wie sehr ein 16-Jähriger hier schon als Ikone inszeniert wird: Der junge John Lennon ist sagenhaft kreativ, rebellisch, attraktiv und schlagfertig – in vielen Szenen gleicht dieser Film einer Hagiographie. Und wie sehr Regisseurin Sam Taylor sich für ihren damals 19-jährigen Hauptdarsteller Aaron Johnson begeistert hat, erkennt man auch nicht nur an der Tatsache, dass sie ihn mittlerweile geheiratet und zwei Kinder von ihm hat, sondern auch an vielen Einstellungen, in denen ihn die Kamera derart umschmeichelt und verehrt, dass es wahrscheinlich nicht nur Paul McCartney schmerzt.

Immerhin: Die Anfänge seiner Beziehung zu seinem späteren Songwriting-Partner, der zwar ein schmächtiges Jüngchen, ihm aber musikalisch hoch überlegen ist, fängt Nowhere Boy sehr schön ein. Gleiches gilt für John Lennons Neigung zum Leben in einer Fantasiewelt, zu Egoismus, vulgärem Humor und emotionaler Härte. Schließlich wird auch die Beziehung zur Mutter sehr sensibel nachgezeichnet: Das unerträgliche Gefühl, nicht gewollt zu sein, obwohl sie doch nur ein paar Blocks weiter wohnt. Das aufwühlende Wiedersehen nach vielen Jahren, bei dem sie sich nicht als reumütig und fürsorglich erweist, sondern als durchgeknalltes Partygirl. Und die beinahe sexuelle Anziehung, die sich in der kurzen Zeit danach zwischen beiden entwickelt, sowie die Zerrissenheit, die sich schließlich daraus ergibt.

Nicht zuletzt erzählt Nowhere Boy mit einigen Klischees, aber auch einigen wirkungsvollen Szenen von einer Zeit, in der es für Teenager kaum eine Möglichkeit gab, all ihre Energie, Ideen, Gefühle und Hormone auszuleben. Die Beatles sollten diejenigen werden, die das änderten. Achja: Die Musik (Goldfrapp haben den Soundtrack komponiert, dazu gibt es etliche Rock’N’Roll-Klassiker) ist übrigens auch sehr gut.

Bestes Zitat:

„Hamburg? Humbug!“

Der Trailer zum Film.

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