Draufgeschaut: The Messenger


Film The Messenger

The Messenger Film Kritk Rezension

Tony (Woody Harrelson) und Will (Ben Foster, rechts) überbringen schreckliche Nachrichten.

Produktionsland USA
Jahr 2009
Spielzeit 113 Minuten
Regie Oren Moverman
Hauptdarsteller Ben Foster, Woody Harrelson, Jena Malone, Samantha Morton, Steve Buscemi
Bewertung

Worum geht’s?

Den Kampfeinsatz im Irak hat Will Montgomery mit einer schweren Verwundung und einer Auszeichnung für besondere Tapferkeit hinter sich gebracht. Für die letzten Monate seiner Dienstzeit in der US Army bekommt er einen scheinbar einfachen Auftrag in der Heimat: Gemeinsam mit seinem Kollegen Tony Stone informiert er die Angehörigen von im Krieg Gefallenen über deren Tod. Möglichst schnell, möglichst nüchtern, möglichst schmerzlos. Immer per Hausbesuch. Der Job erweist sich schnell als emotional hochgradig belastend, denn Will muss ständig auf Abruf sein und ist jeden Tag mit persönlichen Tragödien konfrontiert. Als er Interesse für Kelly entwickelt, die Witwe eines Soldaten, der er gerade die Todesnachricht überbracht hat, wird die Angelegenheit nicht gerade einfacher.

Das sagt shitesite:

Keine einzige Sekunde lang ist in The Messenger ein Schlachtfeld zu sehen. Es gibt keinen Kampf, keine Gefahr, kein Blutvergießen. Trotzdem wird das Regiedebüt von Oren Moverman ein bedrückender, intensiver Blick darauf, was Krieg mit den Menschen anrichtet – gerade dadurch, dass man es hier an zwei Männern erlebt, die oberflächlich betrachtet nicht zu den Opfern gehören.

Für beide Hauptfiguren entwickelt der Film ein eindringliches Psychogramm. Will ist nach heldenhaftem Einsatz im Irak noch immer darauf aus, sein soldatisches Ethos zu beweisen. Den Job an der Heimatfront betrachtet er zunächst als Kränkung, bis er erlebt, wie viel Mut, Disziplin und Nervenstärke es erfordert, Eltern, Freundinnen, Ehefrauen oder Kindern mitzuteilen, dass ihr Sohn, Freund, Ehemann oder Vater tot ist. In seinen einsamen Nächten vermengen sich das Trauma aus dem Irak-Einsatz und die belastenden Szenen während der Hausbesuche bei Hinterbliebenen, die noch nichts von ihrem Status als Hinterbliebene wissen, zu Qualen, von denen man schnell ahnt, dass er sie nie wieder los werden wird.

Während Will eine Romanze mit einer Kriegerwitwe reizt, vielleicht als Ventil für all die Dramen, die durch seinen Kopf spuken, sucht Tony sein Heil zuerst in Macho-Posen, dann im Suff. Auch wenn er schon deutlich mehr Erfahrung hat, ist er weit davon entfernt, gegenüber seinen Aufträgen so etwas wie Abgeklärtheit zu entwickeln. Wie auch? Was für ihn und Will wie Alltag und Routine wirkt, ist für die Empfänger ihrer Nachricht stets ein Moment, der alles verändert und ihnen den Boden unter den Füßen wegzieht. Gerade in ihren herzzerreißenden Reaktionen wird deutlich, wie schizophren wir einem Militäreinsatz begegnen, wenn alle felsenfest davon ausgehen, ausgerechnet die eigenen Liebsten würden darin schon keinen Schaden nehmen.

Mit vielen ruhigen Momenten und der Fokussierung auf wenige, sehr starke Schauspieler schafft es The Messenger auch ganz ohne das übliche Antikriegs-Spektakel, seine Botschaft zu artikulieren: Krieg ist unmenschlich, und danach ist nichts mehr normal – an der Front und weit darüber hinaus.

Bestes Zitat:

„Wir tauchen im Leben dieser Leute auf und wissen gar nichts über sie.“

Der Trailer zum Film.

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