Draufgeschaut: Unter dem Eis


Film Unter dem Eis

Michael (Dirk Borchardt) ahnt nichts vom Geheimnis seines Sohnes (Adrian Wahlen).

Michael (Dirk Borchardt) ahnt nichts vom Geheimnis seines Sohnes (Adrian Wahlen).

Produktionsland Deutschland
Jahr 2005
Spielzeit 92 Minuten
Regie Aelrun Goette
Hauptdarsteller Bibiana Beglau, Dirk Borchardt, Adrian Wahlen, Sandra Borgmann, Thorsten Merten
Bewertung

Worum geht’s?

Jenny feiert eine Dessous-Party mit ihren neuen Nachbarn, als ihr Sohn Tim verstört nach Hause kommt. Als sie ihn zur Seite nimmt und fragt, was los ist, erfährt sie: Er hat mit Luzie, einem Mädchen aus der Nachbarschaft, im Wald gespielt. Jetzt ist die Siebenjährige tot, mit einer Plastiktüte über dem Kopf erstickt. Jenny erkennt das Unfassbare: Ihr Sohn hat das Mädchen getötet. Sie will die Tat unbedingt verheimlichen und beschwört Tim, niemandem etwas zu erzählen. Doch das ist erwartungsgemäß schwierig. Erstens sind die Eltern von Luzie ein befreundetes Paar, das sich Beistand nach dem grausamen Verlust der Tochter wünscht. Zweitens ist Jennys Ehemann Michael ausgerechnet der Kommissar, der in dem Fall ermittelt und den brutalen Tod des Mädchens aufklären will – nicht ahnend, dass der Täter sein neunjähriger Sohn ist.

Das sagt shitesite:

Die Ausgangslage von Unter dem Eis hat so viel Potenzial, dass der Film fast gar nicht mehr misslingen kann. Dass ein kleiner Junge ein Mädchen getötet hat, ist brisant genug. Dass sein Vater in dem Fall ermittelt, macht die Situation noch pikanter.

Was Regisseurin Aelrun Goette, die hier ihren ersten Spielfilm abliefert und damit gleich den Grimme-Preis gewann, daraus macht, ist dennoch mehr als beeindruckend. Unter dem Eis hat viele Bilder der Verzweiflung, die niemanden kalt lassen können, und lauter Figuren, denen ihre Schuld mindestens ebenso vorzuwerfen ist wie ihre Unfähigkeit, sich der Wahrheit zu stellen.

Der Vater trägt Schuld, ohne es zu wissen, denn als Luzie ums Leben kam, hat Tim eine Szene von einem Ermittlungsfoto nachgespielt, das er versehentlich auf dem Wohnzimmertisch hatte liegen lassen. Michael hat seinen Sohn durch Fahrlässigkeit zum Spiel mit der Plastiktüte über dem Kopf inspiriert, und dass er lange Zeit nichts davon ahnt, macht seine Figur so brüchig. Denn er ist in dieser Familie (und in der hoch emotionalen Situation nach dem Tod von Luzie) eigentlich der Realist und Pragmatiker.

Mit seinem Ethos als Polizist konfligiert in Unter dem Eis das Ethos von Jenny als Mutter. Als sie hinter Tims schreckliches Geheimnis kommt, lebt sie das Gegenteil von Moral vor. Nicht lügen! Nichts verschweigen! Das sind normalerweise die Ratschläge, die eine Mutter ihrem Sohn mit auf den Weg geben müsste. Doch Jenny tut das Gegenteil, weil sie hofft, Tim so schützen zu können. Sie flüchtet sich in eine Welt aus Verleugnung und Ausreden, dabei sollte sie doch Werte wie Wahrheit, Gerechtigkeit und Vertrauen verkörpern.

Tim ist viel zu jung, um seine Tat zu begreifen. Seine Unreife wirkt manchmal bedrückend unverfroren, gedankenlos, egoistisch. Allein durch sein Alter kommt er unschuldig und arglos daher, dabei hat er ein Menschenleben auf dem Gewissen. Den stärksten Effekt erzielt der Film durch die scheinbare Leichtigkeit, mit der Tim schon nach wenigen Tagen über die Tat hinweg geht, während die Erwachsenen – das ist sofort klar – ein Leben lang daran zu knabbern haben werden. Tim merkt schnell, welche Macht ihm die Verschwörung mit seiner Mutter verleiht: Wenn er damit durchkommt, kann er sich alles erlauben. Wie er daraufhin berechnet und manipuliert, ist als aufrüttelnde, hoch intelligente Intrige inszeniert – schockierend auch deshalb, weil man weiß, dass Tim letztlich doch das größte Opfer in dieser verhängnisvollen Konstellation sein wird.

Bestes Zitat:

„Es gibt Dinge, denen muss man sich stellen.“

Der Trailer zum Film.

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