Draufgeschaut: Was tun wenn’s brennt


Tim (Til Schweiger, links) und Hotte (Martin Feifel) werden von ihrer Vergangenheit eingeholt.

Tim (Til Schweiger, links) und Hotte (Martin Feifel) werden von ihrer Vergangenheit eingeholt.

Film Was tun wenn’s brennt
Produktionsland Deutschland
Jahr 2001
Spielzeit 101 Minuten
Regie Gregor Schnitzler
Hauptdarsteller Til Schweiger, Sebastian Blomberg, Martin Feifel, Nadja Uhl, Doris Schretzmayer, Matthias Matschke, Klaus Löwitsch, Devid Striesow
Bewertung

Worum geht’s?

Westberlin 1987: Tim, Hotte, Terror, Maik, Flo und Nele sind Hausbesetzer. Sie sind Punks, gegen Imperialismus und insbesondere gegen die Tatsache, dass alte Villen und ganze Mietblöcke lieber leer stehen sollen, damit Spekulanten sich später eine goldene Nase daran verdienen können. Sie protestieren, randalieren und urinieren gegen dieses System, und um die Ernsthaftigkeit ihrer Überzeugung zu beweisen, bauen sie eine Bombe aus einem Schnellkochtopf und deponieren sie in einer nicht genutzten Villa im Grunewald. Durch eine Panne geht der Sprengsatz allerdings erst 13 Jahre später hoch und verletzt zwei Menschen. Bis auf Tim und Hotte haben sich alle aus der Gruppe längst aus der linken Szene verabschiedet. Maik gefällt sich als zynischer New-Economy-Boss, Nele ist alleinerziehende Mutter, Terror ist Anwalt. Als die Bombe hochgeht, bringt sie das wieder zusammen. Denn blöderweise haben sie damals einen Film gedreht, mit dem sie ihren Anschlagsplan dokumentiert haben – und dieser Film ist jetzt in den Händen der Polizei. Wenn sie darauf erkannt werden, steht ihnen eine Anklage wegen Mordversuchs bevor. Um den Film zu bekommen, müssen sich die einstigen Freunde noch einmal zusammenraufen – und sich erneut mit dem System anlegen.

Das sagt shitesite:

Im Kern von Was tun wenn’s brennt? steht die Frage, wie lange man Punk sein kann. Was sind die Überzeugungen der Jugend wert? Alte Freundschaften? Heilige Schwüre? Diese Fragen wären spannend genug, um darauf einen interessanten Film aufzubauen. Doch Was tun wenn’s brennt verzichtet leider auf Tiefgang und setzt stattdessen auf Videoclip-Ästhetik und reichlich holzschnittartige Figuren.

Die Liebeleien innerhalb der einstigen Punk-Gruppe sind ebenso überflüssig (und halbherzig erzählt) wie der Handlungsstrang mit dem besessenen Kommissar Manowski, der seit Jahrzehnten gegen die Hausbesetzerszene kämpft und nun kurz vorm Ruhestand endlich eine alte Rechnung begleichen will. Selbst die gelungene Idee, dass die mittlerweile als Spießbürger lebenden Mitglieder der Gruppe sprichwörtlich ihre Vergangenheit auslöschen müssen, um nicht ihr neues Leben aufs Spiel zu setzen, wird nicht überzeugend durchgezogen. Die Besetzung ist auch nicht glücklich: Til „Mainstream“ Schweiger als überzeugtester aller Punks? Devid „Sonderling“ Striesow als karrieregeiler Beamter? Das ist nicht komplett daneben, funktioniert aber auch nicht allzu gut.

Auch Regisseur Gregor Schnitzler, der sich bei seiner Arbeit fürs Kino später auf Komödien wie Soloalbum oder Resturlaub konzentrieren sollte, überzeugt in Was tun wenn’s brennt nicht. Ihm sollte eigentlich klar sein, dass Szenen, die vor Klischees nur so triefen, auch dann nicht besser werden, wenn man sie mit aktuellen Britpop-Hits unterlegt. Dem Film fehlt letztlich das, wofür seine Protagonisten in ihrem jugendlichen Überschwang kämpften: Authentizität, Individualität, Zusammenhalt und Mut.

Bestes Zitat:

„Die Fronten verlaufen längst nicht mehr links und rechts der Barrikade, sondern zwischen denen, die es geschafft haben, und den paar Irren, die versucht haben, sich treu zu bleiben.“

Der Trailer zum Film:

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