Durchgelesen: Benjamin von Stuckrad-Barre „Remix 2“


In "Remix2" wird der Autor zum Medium.

Autor Benjamin von Stuckrad-Barre
Titel Remix 2. Festwertspeicher der Kontrollgesellschaft.
Verlag KiWi
Erscheinungsjahr 2004
Bewertung ***1/2

Der Titel führt in die Irre. Wer „Remix“ gelesen und genossen hat und hier die Fortsetzung der Sammlung lustiger Anekdoten, famoser Glossen oder beißender Häme erwartet, wird enttäuscht.

Zwar gibt es das mitunter, meist in Form der bereits in diversen Zeitungen und Magazinen erschienenen Texte. Die „Rockliteratur“ liest sich immer noch köstlich, „Oasis auf Gigantenschultern“ wird wohl ewig das beste bleiben, was je über die Band geschrieben wurde. Der Besuch bei der MDR-Kuppelshow „Je t’aime“ gerät ebenso unterhaltsam wie einfühlsam (eine Eigenschaft, die man von Stuckrad-Barre gar nicht erwartet hätte), gleiches gilt für „Paola und Kurt Felix“.

Doch den Großteil von „Remix 2“ machen andere Texte aus. Stuckrad-Barre setzt dabei eine Tendenz fort, was schon seine letzten Werke ausgemacht hat. Schon die Titel sprachen Bände: „Blackbox“, „Transkript“, „Deutsches Theater“, „Voicerecordings“. Der diesmal gewählte Untertitel setzt diese Reihe fort: „Festwertspeicher der Kontrollgesellschaft“. Von einem Autor im Wortsinne, also jemandem, der etwas neues aus sich selbst heraus generiert, kann hier keine Rede mehr sein.

Viel eher ist Stuckrad-Barre hier Chronist, Medium, Archivar. Er hält fest, was in Gästebücher geschrieben, auf Schulwände geschmiert und in Bäume geritzt wird. Das hat einige Längen und man kann mit einigem Recht fragen, wer so etwas eigentlich lesen will.

Trotzdem ist „Remix 2“ ein gutes und auch sehr persönliches Buch. Denn gerade der gelegentlich ausschweifende Umfang der gefundenen Zitate und die manchmal ermüdende Summe der Fundstücke lassen eines (gerade auch im Hinblick auf den Autor) ganz deutlich werden: Verwirrung. Hier wird zwischen den Zeilen immer wieder die Frage gestellt, ob es an einem selbst liegt oder an den anderen. Die Antwort ist nicht selten Kopfschütteln, immer Suche nach Halt und Orientierung. Das unterstreichen die verschiedenen Tagebuchauszüge.

Insgesamt ist „Remix 2“ kein besonders unterhaltsames Buch. Sein Wert liegt nur selten in den einzelnen Texten, sondern im Sammeleifer und in der Kunst der Kompilation. Deshalb ist es ein authentisches Dokument unserer Zeit.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.