Durchgelesen: Cheryl Benard und Edit Schlaffer – „Grenzenlos weiblich“


„Grenzenlos weiblich“ ist wirr, dumm und gefährlich.

Autoren Cheryl Benard und Edit Schlaffer
Titel Grenzenlos weiblich. Europas schwaches Geschlecht stark im Kommen
Verlag KiWi
Erscheinungsjahr 1990
Bewertung *

Meine Damen und Herren, ich bin stolz Ihnen präsentieren zu dürfen: das schlechteste Buch, das ich jemals gelesen habe. Früher dachte ich einmal, es gebe gar keine schlechten Bücher, aber hier ist ein weiterer Gegenbeweis.

„Grenzenlos weiblich“ ist nicht nur unsagbar wirr und dumm, sondern auch gefährlich. Sollte es in die falschen Hände geraten (zum Beispiel in die Hände von Frauen, die sich dieses Machwerk zum Leitfaden nehmen), könnte es fatale Wirkung haben. Das Buch ist dabei ausschließlich für Frauen geschrieben. Wenn von „wir“ die Rede ist, sind damit nicht die Autorinnen, sondern die Frauen gemeint. „Die“, also „die anderen“, das sind die Männer.

Da ist schon der Kern des Problems: Während das Buch ihnen vorwirft, sie seien für ihre Frauen keine echten Partner, stellt es die Männer selbst ebenfalls nicht als (potenzielle) Partner dar, sondern als Konkurrenten, ja als Gegner. Trotz hochtrabender Ideen von einer neuen Organisation der Gesellschaft wird dabei in „Grenzenlos weiblich“ nur eines angeregt: ein grenzenloser Egoismus.

Dazu ist das Buch lächerlich in der Argumentation (besonders, wenn es um die historische Überlebtheit Patriarchats geht, muss man fast hoffen, dass die Autorinnen ihre Beispiele ironisch meinen) und unfassbar schlecht strukturiert, auch wenn die Idee nicht schlecht ist. Erfolgreiche Frauen äußern sich in Interviews (die oft genug auch haarsträubend übersetzt sind) über ihre Karriere. Sie alle behaupten, sie seien glücklich oder zumindest zufrieden, bedienen sich dabei aber eines Vokabulars, das auf regelmäßige Sitzungen beim Psychiater schließen lässt.

Dazu steckt das Buch knietief in den 1980ern. Vorgestellt werden Jetset-Business-Frauen, kaum jemand aus der Mittelschicht, erst recht keine aus der Arbeiterklasse. Damit wird „Grenzenlos weiblich“ auch noch snobbistisch und schreibt an einem Großteil der Zielgruppe vorbei.

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