Durchgelesen: Helge Schneider – „Satan Loco“


Kommissar Schneider muss in "Satan Loco" in Spanien ermitteln.

Kommissar Schneider muss in „Satan Loco“ in Spanien ermitteln.

Autor Helge Schneider
Titel Satan Loco
Verlag KiWi
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung **

„Doch die Sprache als Performanz aller Rede ist weder reaktionär noch progressiv; sie ist ganz einfach faschistisch; denn Faschismus heißt nicht am Sagen hindern, es heißt zum Sagen zwingen.“

Dieses ebenso harte wie streitbare Urteil fällt der französische Philosoph Roland Barthes in Lektion. Das Werk erschien 1978, zwei Jahre vor seinem Tod. Doch Roland Barthes hätte noch 33 Jahre länger warten müssen, um sich endgültig widerlegt zu sehen. Bis zu Satan Loco, dem sechsten Kommissar-Schneider-Roman und insgesamt zwölften literarischen Werk aus der Feder von Helge Schneider. Denn Helge Schneider beweist auf diesen 138 Seiten, dass Sprache zu gar nichts zwingt. Und das bedeutet leider auch: Ein Buch kann frei sein von Logik, Figuren, Inhalt. Ein Kriminalroman kann ohne falsche Fährten, Alibis und Spannung auskommen. Satan Loco tut es.

Die Handlung zu umreißen, fällt bezeichnenderweise schwer genug: Satan Loco ist ein Outlaw, er lebt allein mit seinem Motorrad (und später auch mit einem Puma und einem Hündchen) in der Sierra Nevada. Er ist gewalttätig, aber mit weichem Herzen, und in der Gegend, die er sein Revier nennt, treiben noch ein paar andere seltsame Gestalten ihr Unwesen. Ein Bombenleger, ein Campingfreund aus Schwaben und ein Aktfotograf beispielsweise. Irgendetwas an dieser Gemengelage führt Kommissar Schneider nach Spanien, wo er irgendwann auch auf Satan Loco trifft. Irgendwie.

Vom grandiosen Dadaismus der ersten Kommissar-Schneider-Romane ist hier praktisch nichts mehr übrig geblieben. Satan Loco ist ein Anti-Roman, die literarische Entsprechung zum Film 00 Schneider – Jagd auf Nihil Baxter. Satan Loco wimmelt von starken Verben und schillernden Adjektiven, aber all das ist bloß Blendwerk, mit dem sich Helge Schneider offensichtlich lustig machen will über die sprachlichen Unarten anderer Autoren. Er wirft mit Phrasen, Klischees und Worthülsen um sich, er hat Spaß daran, sich innerhalb eines Absatzes dreimal zu widersprechen und gelegentlich auch noch mit einer Spur von Authentizität zu verwirren, etwa wenn Satan Loco die Freiheit auf dem Motorrad genießt oder das abendliche Treiben in Almeria kurz, aber treffend geschildert wird.

Helge Schneider sprengt in Satan Loco jede Konvention, und er tut das ganz offensichtlich auch noch genüsslich. Aber das ist auch das einzige Verdienst dieses Werkes.

Die beste Stelle ist ein innerer Monolog des Pumas namens Legumes, der zum Haustier von Satan Loco wird: „Ob Tiere denken können? Legmues wusste es nicht, denn auch er dachte ja nicht.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.