Durchgelesen: Jochen Schimmang – „Carmen“


„Carmen“ vereint wilde Fleischeslust und milde Melancholie.

Autor Jochen Schimmang
Titel Carmen
Verlag KiWi
Erscheinungsjahr 1992
Bewertung ***

Mal ironisch, mal erotisch, wird die Geschichte des einsamen Archivars Simon Simon erzählt, der vor langer Zeit der Fleischeslust abgeschworen hat, dann aber in die Fänge der jungen Carmen gerät.

Das Buch lebt von seiner Leichtigkeit und dem, was Schimmang stets auszeichnet: Eleganz und Geist, vor allem aber eine milde Melancholie. Wie der auktoriale Erzähler auf Distanz zu den Personen bleibt, zwischen den Zeilen aber jede Menge Mitleid für sie hat, lässt gelegentlich gar an Hermann Hesse denken. Ein amüsantes kleines Büchlein.

An der besten Stelle gerät keineswegs die heißblütige Spanierin, sondern der kühle Wissenschaftler außer sich, weil er Carmen mit einem anderen Mann gesehen hat: „Rache! Habe ich nicht Augen, Sinne, Hände, Neigungen, Leidenschaften? Wenn ich eine schöne Frau sehe, die mir gefällt, bin ich nicht erregt? Wenn ich sie zu lieben beginne, habe ich nicht das Recht, um sie zu kämpfen? Wenn man mich sticht, blute ich nicht? Wenn man mir Gift gibt, und sei es mit Worten, sterbe ich nicht? Wenn man mich verspottet, mich einen Idioten nennt, soll ich mich nicht rechen? Er stolperte durch den Garten. Die Amsel hatte schon zu singen begonnen. Er stürzte auf den Baum zu, rüttelte dran, wollte hinaufklettern, um sie zu erwürgen, und sie flog davon.“

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