Durchgelesen: Max Frisch – „Stiller“ 2


„Stiller“ ist der erste Meilenstein in Max Frischs Werk.

Autor Max Frisch
Titel Stiller
Verlag Suhrkamp
Erscheinungsjahr 1954
Bewertung ****1/2

Als Max Frisch vor 50 Jahren seinen Roman „Stiller“ herausbrachte, war das der vielleicht erste Meilenstein im Werk des Schweizers. Das Thema ist eine Variation von Frischs beliebtestem Motiv, der „Dialektik von Tat und Traum“, wie es im herrlich altmodischen Klappentext heißt.

„Nichts ist schwerer, als sich selbst anzunehmen“, muss an einer Stelle auch der Gefangene lernen, der zu Beginn des Romans verhaftet wird und den alle für einen verschollenen Bildhauer halten. Er leugnet diese Identität, ergeht sich in Ausreden, Märchen und Fabeln. Er staunt und verzweifelt, weil er sich selbst, seiner Umwelt und der Frau, die er liebt, nicht gerecht werden kann.

Zum 50. Geburtstag des Klassikers gibt es nun einen Reprint der Erstausgabe von „Stiller“. Dieses Faksimile macht vor allem eines deutlich: Frischs Geschichte von Entfremdung und Erwartung ist nicht nur zeitlos, sondern brandaktuell.

Beste Stelle: „‚Männer sind komisch!‘ findet Sibylle noch heute: ‚Ihr mit eurem Ernst! Für Stunden oder Tage, mitunter für ganze Wochen könnte man meinen, ihr wünscht nichts anderes als die Nähe einer geliebten Frau, besinnungslos sucht ihr diese Nähe, scheut euch vor nichts, so möchte man glauben, vor keiner Gefahr, vor keiner Lächerlichkeit, schon gar nicht vor Grausamkeit, wenn euch jemand im Wege steht, es gibt nur die Frau, scheint es, die geliebte Frau – und dann, im Handumdrehen, ist alles ganz anders, plötzlich zeigt sich, dass halt eine Sitzung doch wichtig ist, so wichtig, dass sich alles danach richten muss. Plötzlich werdet ihr nervös, findet die Frau eine zärtliche Klette. Ich weiß! Ich kenne sie, diese läppische Rücksicht auf lauter fremde Leute, bloß nicht auf die Frau, die euch liebt. Ihr mit eurem Ernst des Lebens!“


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