Durchgelesen: Michel Faber – „Die Weltenwanderin“


Eine unterhaltsame Fabel, aber keine leichte Kost: „Die Weltenwanderin“.

Autor Michel Faber
Titel Die Weltenwanderin
Verlag KiWi
Erscheinungsjahr 2000
Bewertung ***1/2

„Wenn Genforscher jemals versucht hätten, einen Schriftsteller zu erschaffen – Michel Faber wäre das Ergebnis“, hat „Booksellers“ über den gebürtigen Holländer geschrieben, der in Australien aufwuchs und mittlerweile in Schottland lebt.

In der Tat beweist Faber in seinem ersten Roman eine ganze Fülle von Qualitäten: „Die Weltenwanderin“ ist originell, spannend und unterhaltsam, aber bei weitem nicht bloß leichte Kost. Denn in der Geschichte von Isserley, die im schottischen Hochland männliche Anhalter aufsammelt und diese „Wotzel“ nennt (mehr sollte man nicht verraten), steckt eine Fabel, die von wunderbarer Fantasie zeugt und die Schönheit der Welt feiert.

Das macht die nicht immer sehr appetitlichen Szenen auch in Zeiten des Kannibalen von Rotenburg oder der „Körperwelten“ erträglich – und ist für die Moral, die Faber nicht mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern mit viel Witz und aus einer geschickt gewählten Perspektive vermittelt, sogar unerlässlich. Damit ist „Die Weltenwanderin“ natürlich noch kein „‚Animal Farm‘ für das neue Jahrtausend“ („The Face“), aber dennoch ungemein rührend und clever.

Beste Stelle: „Nachdem sie gewendet hatte, fuhr sie ein drittes Mal auf ihn zu. Er hatte lockiges, widerspenstiges rotes Haar und trug einen dicken Strickpullover aus Wolle in vielen verschiedenen Farben. Alle Wotzel mit dick gestrickten Pullovern, die Isserley bisher kennen gelernt hat, waren arbeitslos und führten das Leben eines Paria. Offenbar gab es da irgendeine Behörde, die sie zwang, derartige Kleidungsstücke zu tragen, vielleicht als ein Merkmal ihrer niedrigen gesellschaftlichen Stellung.“

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