Durchgelesen: T.S. Eliot – „Old Possums Katzenbuch“


Autor T.S. Eliot

Old Possums Katzenbuch T.S. Eliot Rezension Kritik

T.S. Eliot schrieb die Katzengedichte für seine Patenkinder.

Titel Old Possums Katzenbuch
Originaltitel Old Possum’s Book Of Practical Cats
Verlag Suhrkamp
Erscheinungsjahr 1939
Bewertung

Über die Faszination des Menschen für Katzen ist in jüngster Zeit ja viel räsoniert worden, dank des weiterhin sehr prominenten (und weiterhin wachsenden) Cat Content bei YouTube und sonstwo im Netz. Ranga Yogeshwar stellte unlängst die These auf, Katzen seien für uns so wichtig, weil sie zeigen, wie viel Wildsein auch in Haustieren noch steckt, wie viel Animalisches damit womöglich auch in uns selbst schlummert. Eine andere Ursache lässt Old Possums Katzenbuch vermuten: T.S. Eliot, selbst bekennender Katzenliebhaber, der die hier versammelten Gedichte ursprünglich für seine Patenkinder verfasst hatte, zeigt in diesem Band auf, wie extrem individuell der Charakter einer einzelnen Katze sein kann – und wie viel sie alle als Gattung dennoch gemeinsam haben. Auch hier fällt es nicht schwer, eine Parallele zu unserer eigenen Spezies zu erkennen.

Die Gedichte, die es in dieser sehr hübschen Ausgabe der Bibliothek Suhrkamp jeweils im englischen Original und einer deutschen Nachdichtung (teils von sehr prominenten Lyrikern) und zudem angereichert mit Zeichnungen von Edward Gorey gibt, lassen auch schnell deutlich werden, warum Katzen ein so lohnendes und dankbares Sujet für Dichter sind: Sie stehen für Müßiggang, Divenhaftigkeit und das Geheimnisvolle – alles Dinge, die ein Schriftsteller lieben muss.

In den sehr lebendigen und meist skurrilen Gedichten ergründet T.S. Eliot die Bandbreite kätzischer Gemüter, von eigensinnig (The Rum Tum Tugger) bis hinterhältig (Mungojerrie and Rumpelteazer), von Katzen, die es auch mit einem ganzen Rudel Hunde aufnehmen (The Pekes and the Pollicles) bis zu solchen, die als wachsamer Aufpasser wahrscheinlich besser geeignet sind als mancher Schäferhund (Skimbleshanks: The Railway Cat). Dass aus diesen zunächst nur für den Privatgebrauch gedachten Gedichten schließlich die Vorlage für das erfolgreichste Musical der Welt wurde (ja, damit ist Cats gemeint), verwundert schon nach wenigen Seiten nicht mehr.

T.S. Eliot hat sicher bedeutendere Werke verfasst. Aber Old Possums Katzenbuch ist mindestens so kurzweilig wie ein Nachmittag voller Videos von meow meow auf YouTube. Und vor allem ein sehr schönes Geschenk für Katzenfreunde.

Bestes Zitat: „A cat is not a dog.“

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