Fortuna Ehrenfeld – „Die Lieder vom Regenradar und den Mandelviolinen“


Künstler Fortuna Ehrenfeld

Fortuna Ehrenfeld Die Lieder vom Regenradar und den Mandelviolinen Review Kritik

Überbleibsel vom letzten Album versammeln Fortuna Ehrenfeld auf dieser EP.

Album Die Lieder vom Regenradar und den Mandelviolinen
Label Grand Hotel van Cleef
Erscheinungsjahr 2019
Bewertung

Manchmal ist die konventionelle Form einfach ungeeignet. Dann macht auch Martin Bechler, der Kopf von Fortuna Ehrenfeld, eine Ausnahme. In so eine Situation geriet er, als er im Dezember 2018 mit der Arbeit an einem neuem Album begann und schnell von der eigenen Produktivität übermannt wurde. Neben den 13 Liedern, die schließlich auf dem wunderbaren Helm ab zum Gebet gelandet sind, entstanden dabei auch etliche weitere. Auf 45 Songs beziffert er den engeren Kern, und natürlich konnte man die nicht alle berücksichtigen. „Ich bin ein Albumtyp. Und nichts wird mich jemals davon abbringen – schon gar nicht die schnell-mal-durchklickbaren Filterbubbels“, stellt Bechler klar. „Ein Album braucht einfach einen guten Flow wie ein Theaterstück. Jeder Song, sei er noch so gut, der dabei stört, fliegt bei mir gnadenlos raus.“

Sechs dieser überschüssigen Songs haben es jetzt auf die EP Die Lieder vom Regenradar und den Mandelviolinen geschafft. Das sollte man keineswegs als Resteverwertung missverstehen, sondern eher als einen Ausdruck der Qualitätskontrolle. In der Tat gibt es hier nur tolle Lieder – aber auch fast nur solche, die auf Helm ab zum Gebet wie Fremdkörper gewirkt hätten. Es gibt viel Klavier, ein bisschen Winterblues („Im Grunde bin ich ein Balladenheinz“, sagt Bechler), am Ende ein großes Finale, das von der Haldener Blaskapelle unterstützt wird. Die EP wirkt beinahe wie ein Solowerk, von Paul Weißert und Jenny Thiele findet man nur Spurenelemente, auch auf dem Cover ist der Sänger alleine zu sehen. Das passt zur innigen Beziehung des Songwriters zu diesen Liedern, die ihm schlicht „während des Schreibens so ans Herz gewachsen sind, dass es mir immer schwerer viel, sie auszusortieren. Die Idee war schnell gefunden: Man lagert sie aus in ein dramaturgiebefreites Exil, wo sie friedlich vor sich hinspacken können und frönt gleichermaßen einfach weiter seinem Vinyl-Fetisch. Die Analogoffensive hat gerade erst begonnen.“

Die EP ist sehr fein geworden und wird selbstverständlich auch den meisten Fans von Helm ab zum Gebet viel Freude bereiten – noch mehr indes jenen, die bei Konzerten von Fortuna Ehrenfeld besonders die Phasen schätzen, wenn sich Martin Bechler allein ans Klavier setzt und loslegt. In solchen Shows kann man auch immer wieder erleben, dass einzelne Besucher in einem einzelnen Lied ihre ganz besondere Lieblingszeile mitsingen, ganz besonders laut. Davon gibt es auch hier reichlich, oft mehrere pro Lied, und ebenso wie zum Mitsingen im Konzert sind sie auch erstaunlich gut als Slogans oder Poesie für ein T-Shirt geeignet. Deshalb wird dies ab jetzt auch keine reguläre Rezension mehr. Stattdessen gibt es ein paar dieser wundervollen Zeilen in einer Fotostrecke voller T-Shirt-Prints, mit Martin Bechler als Model (und Sebastian Kolodziejczyk als Fotograf). Denn manchmal ist die konventionelle Form einfach ungeeignet.

Das herrliche Video zu Vereinsheim, gedreht ebenda.

Website von Fortuna Ehrenfeld.

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