Ganz ruhig, es läuft


Zehn Minuten nach dem Sieger im Zeil, das bedeutet: Platz 698.

Heute steigt der 3. Leipziger Firmenlauf. Um mal zu schauen, wie gut ich noch in Schuss bin, und um mein Lieblingsnachrichtenportal www.news.de zu repräsentieren, bin ich natürlich dabei. Und ganz schön erstaunt.

Zunächst hatte jemand die großartige Idee, uns für d mit scharzen Trikotsrad und drückender Schwüle mit scharzen Trikots auszustatten. Was das eine Bewerbung für die Kategorie „originellstes Outfit“? In jedem Fall war es ein bisschen unpraktisch. Und sofort erinnert es mich an meine letzte Teilnahme bei einem offiziellen Lauf-Event: Beim Fulda-Marathon 2004 hatte ich ähnliches Glück mit dem verschissen heißen Wetter.

Im Gegensatz dazu stehen diesmal aber nur 5000 Meter an. Trotzdem sind die Teilnehmer offensichtlich extrem motiviert. Vor dem Start in der Arena Leipzig wird gedrängelt (und geschwitzt und gestunken). Es gibt jede Menge Leute, die sich dehnen, imposante Muskelberger, und ich treffe sogar einen alten Fußball-Kumpel, der Red Bull trinkt – und ankündigt, dass er schneller sein wird als ich (er wird Recht behalten).

Dabei dachte ich, das alles soll ein nettes Beisammensein werden. Ein bisschen Plaudern, Netzwerken und dabei in aller Ruhe den Rundkurs absolvieren. Offensichtlich habe ich unterschätzt, wie ehrgeizig die versammelte Leipziger Wirtschaft ist. Muss das so sein, wenn man in einer Stadt mit einer Arbeitslosenquote von 14,7 Prozent einen Job haben will? Oder wollen es alle dem Hauptsponsor Commerzbank zeigen: Nun könnt ihr mal sehen, wie leicht man erfolgreich sein kann – ganz ohen Steuergelder? Oder ist es vielleicht die Hoffnung, dem Chef auch bei dieser Gelegenheit die eigene Motivation und Leistungsfähigkeit zu beweisen?

In jedem Fall kann von Entspanntheit keine Rede sein, und auch ich rege mich langsam auf, nämlich über die dämliche Ballermann-Musik vor dem Start. Ich hatte extra meinen iPod zuhause gelassen, weil ich ja dachte, dass es um Plaudern und Netzwerken geht. Scheiße.

Auf der Strecke gibt es dann (neben viel Hitze und erstaunlich vielen Zuschauern) ein paar Samba-Gruppen. Deren Sound ist tatsächlich sehr motivierend – trotzdem frage ich mich, ob man für das Geld nicht lieber ein paar besser sichtbare Weg-Markierungen angeschafft hätte. Als ich noch rätsle, ob ich nun schon vier oder erst drei Kilometer gelaufen bin, steht da plötzlich ein aufblasbarer Bogen, der das nahe Ziel ankündigt. Weil ich mir ja noch die Kraft für ungefähr zwei Kilometer aufgespart hatte, kann ich so einen lockeren Schlussspurt hinlegen, und dann bin ich nach 24:19 Minuten im Ziel. Das bringt mir immerhin noch einen Platz unter den besten 700 von rund 3200 Teilnehmern.

Wie ich höre, sind die Sieger allerdings schon seit fast zehn Minuten hier. Ein paar von ihnen haben kurz nach dem Ziel gekotzt. Bei so viel Einsatz stimmt der alte Slogan des Stadtmarketings vielleicht doch: Leipzig kommt.

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