Gregor McEwan, Horns Erben, Leipzig


Gregor McEwan Leipzig Horns Erben Konzert

Nicht im Bild: die malträtierten Füße von Gregor McEwan. Foto: Amadis/Timothy O. Sweebe

Fußball ist das Leitmotiv an diesem Abend. Zum einen ist Gregor McEwan ein großer Schalke-Fan, sein Verein spielt parallel zum Konzert im Horns Erben in Leipzig. Der in Haltern am See geborene Musiker, der mittlerweile in Berlin lebt, erzählt während des Auftritts, wie er durch den Einfluss seines Vaters zum Schalke-Fan wurde, bekennt seine schlechte Laune angesichts des Spielstands, der schließlich auch der Endstand sein sollte (Schalke verliert 1:3), und lässt – zum Amüsement des Publikums – ein paar Spitzen gegen RB Leipzig los, von ihm „die Dosen“ genannt.

Mit seiner ehemaligen Band Helter Skelter hatte er einst auch ein Lied über Fußball gemacht, in seinem Solowerk spielt der Sport hingegen keine Rolle. Trotzdem kann man auch bei seiner Performance im Horns Erben an Fußball denken, sogar fast im Wortsinne. Denn achtet man auf die Füße von Gregor McEwan, offenbart sich eine der größten Stärken des Sängers. Er bedient damit nicht nur eine beachtliche Anzahl von Effektgeräten, die mal reichlich Hall, für kurze Momente auch mal eine Mega-Verzerrung für seine Gitarre besorgen. Er biegt seine Füße immer wieder auch so sehr, dass man um die Unversehrtheit von Sprunggelenk, Bandapparat und Os cuboideum fürchten muss. Auch seine Asics-Sneaker müssen einiges aushalten: Er stampft, wippt, immer wieder biegt er die Füße weit über ein gesundes Maß hinaus. Und zwar, weil ihn seine eigenen Songs so sehr mitreißen, weil er so viel Leidenschaft hineinsteckt, dass er – zusätzlich zum Singen und Gitarrenspiel – einen körperlichen Ausdruck dafür braucht.

Natürlich prägen reichlich Lieder vom gestern erschienenen dritten Album From A To Beginning das Konzert wie der Auftakt Anywhere, Anytime, Anything, es gibt aber auch reichlich Schmankerl von den beiden Vorgängern, etwa Vs schon als zweites Stück des Abends oder das herrliche Silver And Gold. Angesichts der aufwändigen Arrangements auf dem neuen Album fällt nicht nur auf, wie stark diese Songs auch in reduzierten Versionen nur mit Gesang und Gitarre sind. Auch die Stimme klingt live ein gutes Stück rauer. You And I zeigt das sehr deutlich, das es direkt nach der Live-Performance aus der Anlage im Saal in der Albumversion zu hören gibt, als in die Pause übergeleitet wird. Zu den weiteren Höhepunkten gehören das großartig kraftvolle Rewind, Retrack, Rename, Restore und The Banks, bei dem Gregor McEwan ganz auf die Technik verzichtet und sich einfach an den Rand der Bühne setzt. Später läuft er bei From A To Beginning, in dem das Leipziger Publikum seine Sangeskünste beweisen darf („viel leiser als die Schalker“, lautet das Urteil), noch einmal durch den Saal.

Seine Coverversion von Natalie Imbruglias Torn und The Wrinkle In Time erklingen zu einer Christbaumbeleuchtung am Mikrostativ, weitere Gimmicks sind ene aufblasbare Rakete und ein ebenso aufblasbarer R2D2 auf der Bühne, der sich sogar gelegentlich zu Wort meldet. Zum Abschluss gibt es – natürlich wieder mit intensiver Beinarbeit – ein sehr kurzweiliges Medley, in dem unter anderem Whatever (Oasis) und I’m Like A Bird (Nelly Furtado) enthalten sind und in dem sich zugleich zeigt, wie problemlos It Must Have Been Love von Roxette zu Dry Your Eyes von The Streets passt. Dass sich Gregor McEwan mittlerweile auch als Performer immer wohler fühlt, wie er mir am Nachmittag vor der Show beim Interview erzählt hat, merkt man ihn an diesem Abend an. Am Ende des Konzerts strahlen die Gesichter im Saal ähnlich wie die in der RB-Fankurve. Und die Füße von Gregor McEwan haben es auch überstanden.

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