Hingehört: A. Dyjecinski – „The Valley Of Yessire“


Künstler A. Dyjecinski

Albumkritik Rezension Valley Of Yessire Dyjecinski

„Valley Of Yessire“ ist das Solodebüt von A. Dyjecinski.

Album The Valley Of Yessire
Label Sideways Saloon
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Die Einsamkeit ist fürwahr kein ungewöhnliches Thema für einen Singer-Songwriter. A. Dyjecinski stellt sie ins Zentrum seines übermorgen erscheinenden Debütalbums The Valley Of Yessire. Der Kanadier (vollständiger Vorname: Artur), der sonst bei den Dracula Legs spielt und schon einmal auf einem Track von Timber Timbre als Gast mitgewirkt hat, legt dabei allerdings eine Konsequenz an den Tag, die selbst in diesem mit Ernsthaftigkeit nicht gerade unterversorgten Genre spektakulär ist.

Dyjecinski hat tatsächlich die maximale Einsamkeit gesucht, er ist auf abgelegene Inseln und hohe Berge gereist, um herauszufinden, wie lange es sich dort aushalten lässt. “The concept of trying to be lonely doesn’t register with many people. To be lonely has so much negative connotation. But what if you can’t be lonely? What if no matter how hard you try, there is someone there; people everywhere, and no matter how far out you go, there is someone further, or simply in your mind”, lautet die Erkenntnis, die er mitgebracht hat.

“The album is about failure of solitude and loneliness. The songs are the autobiographical stories”, sagt Dyjecinski, und für die Umsetzung hat er eine passende Entsprechung gefunden: Er hat sich sein eigenes Studio gebaut und dort alle Instrumente selbst eingespielt, „hoping any naivety on the respective instruments would translate to something new and original, sonically speaking“, wie er sagt. Das Ergebnis lässt verstehen, warum er unter anderem Lambchop und Elliott Smith als Vorbilder benennt, auch das Croonen von Nick Cave kann man gelegentlich im Valley Of Yessire heraushören.

Goad By The Valley ist ein sehr behutsamer Auftakt für das Album, als hätten alle Instrumente gerade eine zutiefst schockierende Neuigkeit erfahren und wollten nun versuchen, maximal taktvoll miteinander umzugehen. Die Single I’m The Woods nimmt sich viel Zeit und Raum, Grenades hat die meiste Dynamik aller Tracks der Platte, schwillt zwischendurch kurz an und droht an anderer Stelle zumindest damit, aus der Gemächlichkeit auszubrechen. Mit Yessire und Hunger gibt es auch zwei Instrumentals. „My voice isn’t even present on those songs. Because those moments are empty”, erklärt A. Dyjecinski dieses Stilmittel.

Wenn seine Stimme zu hören ist, wirkt der Gesang manchmal etwas manieriert, mit vielen abgehackten Silben. A. Dyjecinski klingt beinahe, als habe er das Sprechen in seiner Zeit als Einsiedler verlernt und er müsse es jetzt erst wieder neu erproben. Ein Song wie The Resurrection zeigt, wie sehr er seine Stimme als Instrument begreift. Auch der Effekt in The Fight, wenn die Backing Vocals von Natasha O’Keeffe einsetzen, ist meisterhaft gesetzt.

Und was für Themen dieser Mann besingt! Dead Horses handelt von seinem polnischen Großvater und dessen Erlebnissen in der Kriegsgefangenschaft, mit einer wundervollen Melodie und Atmosphäre. Dry Bread hat einen vielleicht tatsächlich in endlosen Stunden der Selbstsuche geschärften Blick für Ursprünglichkeit, für die kleinen und letzten Dinge, verpackt in einen Sound, der an Neil Youngs Sleeps With Angels erinnert. In Ivorm erzählt er davon, wie eine Person sich in bitterster Kälte opfert, damit die andere Person überleben kann – mit einer zweiten Stimme, die passenderweise schon wie ein Geist klingt.

Auch wenn The Valley Of Yessire im Sound in gewisser Hinsicht auf die Standard-Zutaten der berühmten Düstermänner setzt, ist es diese Unbedingtheit, die A. Dyjecinski dem Genre hinzuzufügen vermag – und obendrein ein Album mit sehr viel Poesie, Würde und Gravitas.

Auf der Suche nach Einsamkeit findet man manchmal auch Balletttänzerinnen, zeigt das Video zu The Fight.

Website von A. Dyjecinski.

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