Hingehört: Angus & Julia Stone – „Angus & Julia Stone“


Künstler Angus & Julia Stone

Nach den Soloplatten hat Rick Rubin aus Angus und Julia Stone wieder ein Duo gemacht.

Nach den Soloplatten hat Rick Rubin aus Angus und Julia Stone wieder ein Duo gemacht.

Album Angus & Julia Stone
Label Universal
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Sie hatten keinen Grund, sich zu trennen. Mit ihrem Debütalbum A Book Like This (produziert von Fran Healy) haben Angus & Julia Stone im Jahr 2007 reichlich Lob eingeheimst, der Nachfolger Down The Way erreichte dann 2010 sogar den Spitzenplatz in den Charts ihrer australischen Heimat.

Sie hatten keinen Grund, sich wieder zusammenzutun. Sowohl Julia (mit By The Horns) als auch Angus (mit Broken Brights) reüssierten danach als Solokünstler, mit mindestens guten Kritiken und dem Bekenntnis, dass dies nun der künstlerische Weg in ihre Zukunft sein sollte.

Jetzt sind sie doch wieder vereint, und natürlich gibt es einen Grund dafür. Der Grund hat zwei Beine, einen Rauschebart und den wahrscheinlich legendärsten Ruf aller lebenden Plattenproduzenten. Er heißt Rick Rubin – und er hat Angus & Julia Stone wieder zu einem Duo gemacht. Auf einer Party hörte er zum ersten Mal eine Platte der beiden Australier, er nahm Kontakt mit Julia Stone auf und bot sich als Produzent an – als Antwort bekam er zunächst nur den Hinweis, dass die Geschwister mittlerweile seit zwei Jahren als Solisten unterwegs waren. Nachdem er auch Angus Stone getroffen hatte, waren beide zumindest nicht mehr vollkommen abgeneigt.

„Es war noch nichts entschieden, obwohl Rick sehr dafür war. Aber wir hatten uns mit der Idee noch nicht angefreundet“, erinnert sich Angus Stone an diese Phase. „Dann traten wir beide bei demselben Festival auf, was schon lange nicht mehr der Fall gewesen war, und spielten einen Song zusammen. Es war total magisch… in dem Moment, als wir die Bühne verließen, beschlossen wir, diese Platte mit Rick zu machen.“

Es war natürlich die richtige Entscheidung. Angus & Julia Stone, das dritte Album des Geschwisterpaars, profitiert enorm von der meisterhaften Produktion Rubins. Er sorgt dafür, dass der Rhythmus öfter als bisher einen wichtigen Beitrag leistet (etwa in My Word For It oder in Little Whiskey, in dem ein zackiges Schlagzeug gekonnt mit dem fast abwesend wirkenden Gesang kontrastiert). Die Klasse der beiden Australier als Songwriter kommt dadurch noch besser zur Geltung, beispielsweise in Other Things, das eine sagenhafte Selbstverständlichkeit ausstrahlt, oder in Death Defying Acts, dessen E-Gitarren-Picking zunächst wie eine sehr finstere Version von Lucy In The Sky With Diamonds wirkt, das dann aber eine tolle Atmosphäre und Dramaturgie entwickelt.

Vor allem aber ist diese Platte mehr denn je ein Gemeinschaftswerk. Der Opener A Heartbreak zeigt das fast programmatisch: Angus und Julia singen zusammen, und zwar jedes Wort. Erstmals haben sie auch die Songs gemeinsam geschrieben, auch wenn zunächst jeder einen Teil seiner eigenen Demos in die Sessions mit eingebracht hat. “Wir hatten uns noch nie so mit den Songs des anderen beschäftigt wie auf diesem Album. Wir entdeckten viele Gemeinsamkeiten, besonders da wir beide mit der Idee dieser Zusammenarbeit mehr oder weniger überrumpelt worden waren“, beschreibt Angus Stone den Effekt dieser Herangehensweise. „Ich denke, wir merkten beide, wie sich der Nebel lichtete und die Zusammenarbeit gab uns neuen Schub.” Seine Schwester sieht das ganz ähnlich: “Wir entdeckten neue Möglichkeiten, zusammen Musik zu machen. Ich glaube, wir hatten genug Abstand gewonnen, um einander wirklich zuzuhören und die Ideen, Gedanken und Gefühle des anderen zu würdigen.”

Julia darf beispielsweise im herben, famos gesungenen Wherever You Are glänzen, gleich darauf hat Angus in Get Home seinen großen Auftritt, zu einem vibrierenden, zugleich reduzierten Sound, als hätte jemand Mumford & Sons im Sinne gehabt, aber ohne übertriebene Theatralik.

Zu den Höhepunkten zählt die Single Grizzly Bear: Der Song lebt von einem federnden Groove, und wenn am Ende das „Bababababa“ erklingt, ist das so cool, zuckersüß und retro wie einst das Aufeinandertreffen von Vanessa Paradis und Lenny Kravitz. In Please You grübelt man die ganze Zeit, was es bloß ist, das dieses Lied ausmacht, bis man dann plötzlich erkennt, wie der Begriff dafür heißt: Erotik. Main Street zeigt, dass man die reduzierte Intensität von The XX auch ohne Computer hinbekommen kann. Das Album-Finale Crash + Burn hat als Ausgangspunkt einen feinen Neil-Young-Schmachtfetzen, nach gut sechseinhalb Minuten merkt man dann: als Zielpunkt auch.

“Dieses Album ist außergewöhnlich“, sagt Rick Rubin über das Ergebnis der Zusammenarbeit. „Angus und Julia sind wirklich einzigartige Künstler. Sie sind authentisch und ehrlich und alles, was sie tun, kommt von Herzen. Ich habe noch nie zuvor mit solchen Menschen gearbeitet.” Wenn man bedenkt, dass viele der Texte auf Angus & Julia Stone vom Verlieren und Wiederfinden oder zumindest der Hoffnung darauf handeln (“You say I move so fast / that you can hardly see / you say I move so fast / how could you be with me / but my heart beats slow / but my heart beats slow”, heißt die schönste Strophe der Platte im erstaunlich beschleunigten Heart Beats Slow), dann darf man hoffen, dass diese Verbindung diesmal von Dauer ist.

Der Trailer zum Album:

Angus & Julia Stone spielen im November Konzerte in Deutschland:
09.11.2014 Offenbach – Capitol
10.11.2014 Hamburg – Grosse Freiheit 36
12.11.2014 Berlin – Tempodrom
13.11.2014 München – Tonhalle
14.11.2014 Köln – Palladium

Homepage von Angus & Julia Stone.

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