Hingehört: Explosions In The Sky – „The Wilderness“


Künstler Explosions In The Sky

Explosions In The Sky The Wilderness Albumkritik Rezension

Neue Facetten erkunden Explosions In The Sky auf ihrem sechsten Album.

Album The Wilderness
Label Bella Union
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Klavier oder Gitarre? Das ist natürlich eine Glaubensfrage. Die Reise kann ans Konservatorium führen oder in den Probenkeller. Auch als Fan macht es einen großen Unterschied, ob man Billy Joel oder meinetwegen Billy Idol bevorzugt.

Explosions In The Sky schaffen es auf ihrem am Freitag erscheinenden sechsten Album The Wilderness, Klavier und Gitarre nicht als Konkurrenten, sondern als natürliche Verbündete in Szene zu setzen. Die beiden Instrumente sind hier Brüder im Geiste, beide können in diesen neun Tracks die treibende Kraft sein oder eher beschwichtigend wirken.

Überraschend ist das nicht nur, weil es so wenige Bands gibt, die sich erfolgreich an dieser Symbiose versucht haben. Erstaunlich ist es vielmehr, weil es bei Explosions In The Sky offiziell gar niemanden gibt, der ein Tasteninstrument spielt. Munaf Rayani (Gitarre), Mark Smith (Gitarre), Michael James (Bass) und Chris Hrasky (Schlagzeug) haben es seit ihrer Gründung 1999 geschafft, im Bereich der Gitarrenmusik zu so etwas wie die vielleicht erfolgreichste Instrumentalband der Welt zu werden (Update: The Wilderness wird Platz 24 in den US-Charts erreichen). Das Mittel der Wahl für das Quartett aus Texas war dabei bisher: Postrock.

Das bleibt auch diesmal so, dennoch wird das Klangspektrum vielfältiger, nicht nur durch die eingesetzten Tasteninstrumente. Schon der Auftakt Wilderness zeigt, wie monströs und feinfühlig Explosions In The Sky sein können. Das Lied schleicht sich eher an als dass es hereinplatzen würde, und selbst für das Anschleichen lässt es sich Zeit; es lauert im Hintergrund und beobachtet erst einmal die Szenerie.

Logic Of A Dream beginnt mit einer mächtigen Orgel, der dann mindestens genauso mächtige Trommeln folgen (ohnehin spielt Chris Hrasky auf The Wilderness so, dass man wetten möchte, er habe eine ziemlich strenge militärische Ausbildung genossen), bevor im Hintergrund etwas zu hören ist, das wirklich wie Stimmen (ein Frauenchor?) klingt. Disintegration Anxiety baut ein paar rückwärtslaufende Segmente ein, Infinite Orbit ist einer der wenigen Songs, die sofort mit der Tür ins Haus fallen.

Einzelne Tracks herauszugreifen, ist allerdings wenig sinnvoll, denn auch mit The Wilderness haben Explosions In The Sky wieder eine Platte hingelegt, die wie aus einem Guss klingt und zugleich mit toller Dramaturgie beeindruckt – dass ihre Musik so gerne für Soundtracks genutzt wird, leuchtet auch hier sofort ein. Nicht zuletzt bewirkt auch ihr sechstes Album einen höchst seltenen Effekt: Man hat den Eindruck, diese Lieder würden durch Gesang eher verlieren als gewinnen.

Explosions In The Sky spielen Disintegration Anxiety live – und man sieht deutlich die Tasteninstrumente.

Website von Explosions In The Sky.

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