Hippo Campus – „South“


Künstler Hippo Campus

Cover der EP South von Hippo Campus

Alan Sparhawk von Low hat die „South EP“ produziert.

EP South
Label Transgressive
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Kein Wunder, dass der Rolling Stone, der Hippo Campus zu den besten Newcomern des Jahres gekürt hat, so etwas gut findet: Das Quartett aus Minnesota macht nicht nur sehr gute Gitarrenmusik, sondern hat auch einen sehr klassischen Werdegang. Jake Luppen (Gesang und Gitarre), Nathan Stocker (Gitarre), Zach Sutton (Bass) und Whistler Allen (Schlagzeug) lernen sich in der High School kennen. Als sie den Abschluss in der Tasche haben, verwerfen sie die Idee einer Uni-Karriere und setzen stattdessen alles auf ein Leben als Musiker. Sie sind seitdem quasi permanent auf Tour, under anderem im Vorprogramm von Modest Mouse und My Morning Jacket. Sie bringen mit Bashful Creatures eine EP heraus, die ihnen vor allem durch Radio-Airplay eine Menge Aufmerksamkeit beschert. Und nun legen sie mit einer weiteren EP mit fünf Songs nach, für die sie mit Alan Sparhawk (Low) wieder einen Altmeister als Produzenten gewonnen haben.

South zeigt sowohl die Verankerung von Hippo Campus in klassischen Rockmusik-Werten als auch ihre Weiterentwicklung und ihre nach wie vor ansteckende Begeisterungsfähigkeit. Mit Close To Gold beginnt die EP ohne Abtasten, erst kernig, dann tropisch (Vampire Weekend bleiben auch auf der South EP ein enorm wichtiger Bezugspunkt für Hippo Campus, auch wenn sie diesmal insgesamt muskulöser und dreckiger agieren), dann verträumt – und wieder zurück. Dank einer zappeligen Gitarre, wie man sie bei Good Shoes geliebt hat, wird Dollar Bill zugleich funky und schwermütig. Der Titelsong, dem man beinahe ein Attribut wie „elegant“ anheften möchte, zeigt vielleicht am deutlichsten, was die Band seit Bashful Creatures alles gelernt hat.

Violet hat viel Feuer und eine gute Dramaturgie, am Ende sind Hippo Campus in The Halocline plötzlich verloren, defensiv und Sänger Jake Luppen setzt eine bis dahin gut verborgene Kopfstimme ein. Das Ergebnis wird so herzzerreißend schön wie die besten Momente der Band Of Horses.

Allerdings kann die South EP auch nicht – vor allem, wenn man sie vor dem Hintergrund von Bashful Creatures anhört – ganz den Verdacht zerstreuen, dass diese Musik sich bei doppelt so langer Spielzeit abnutzen könnte. Hier brennt eine Kerze von beiden Enden, und das ist oft atemberaubend, aber eben auch schnell vergänglich. Fürs Albumformat brauchen Hippo Campus wahrscheinlich noch ein bisschen mehr Bandbreite. Aber bis dahin haben sie noch mehr als genug Zeit. Und schon jetzt haben sie ein paar sehr brauchbare Rezepte gegen den Verdacht von Eintönigkeit: Die Technik von Start-Stopp beherrschen sie meisterhaft, auch die Erkenntnis, dass eine Strophe oder ein Break gerade dann besonders eindrucksvoll werden kann, wenn man Instrumente weglässt statt weitere dazu zu packen, hat sich bei Hippo Campus längst eingestellt. Und nicht zuletzt finden sich auch auf der South EP wieder sehr, sehr gute Songs.

Begeisterungsfähigkeit spricht auch aus dem schlicht-schönen Video zu Violet.

Homepage von Hippo Campus.

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