Hingehört: Maria Taylor – „In The Next Life“


Künstler Maria Taylor

Maria Taylor In The Next Life Kritik Rezension

Die absolute Entschlossenheit zeigt Maria Taylor auf „In The Next Life“.

Album In The Next Life
Label Grand Hotel van Cleef
Erscheinungsjahr 2016
Bewertung

Als Kritiker liebt man es bekanntlich, einem Künstler zu erklären, was sein Werk wirklich bedeutet. Man bildet sich ein, seine Kunst, sein Wesen und seine Intention besser zu kennen als der Künstler selbst.

Anmaßend ist das praktisch immer. Geradezu albern wird es bei einer Künstlerin wie Maria Taylor, bekannt vor allem als eine Hälfte von Azure Ray. Gerade hat die 40-Jährige mit In The Next Life ein weiteres Soloalbum vorgelegt, und es gibt kaum etwas, das man darüber sagen könnte, was Maria Taylor nicht schon selbst erkannt hätte.

„Ich liebe die Freiheit, verschiedene Genres auf einem einzigen Album zu kombinieren“, sagt sie beispielsweise. Wie zutreffend das ist, zeigt der wunderbare Facettenreichtum der Platte, der vom behutsamen A Good Life über das beschwingte While The Rest Of Me Is Waking Up bis hin zum bedrohlichen It Will Find Time (einem von zwei Songs, auf denen Joshua Radin mitsingt) reicht.

„Ich singe und schreibe, seitdem ich denken kann. Ich habe Wörter aufgeschrieben, bevor ich Wörter kannte, habe sie mir ausgedacht und dann gesungen. (…) Jedes Album, das ich seitdem heraus gebracht habe, ist eine Reflexion davon, wo das Leben mich hingeführt hat“, ist ein weiteres Zitat, für das man hier die ultimative Bestätigung in Form von zehn wundervollen Liedern finden kann. Dass Altern nicht nur bedeuten kann, seinen Schwung, seinen Biss und seine Unschuld zu verlieren, sondern Können, Wissen und Souveränität anzusammeln, beweist In The Next Life mit jeder Note und jedem Wort. So kann sich Maria Taylor im Free Song eine Zeile wie „I’m free to do what I want“ erlauben, begleitet von etwas Sixties-Feeling. Aber auch eine beschauliche Variante von Americana wie Flower Moon oder das höchst sinnliche If Only, inklusive Gastauftritt von Conor Oberst, fügen sich nahtlos ein.

„Ich habe mich immer wieder gefragt: ‚Wenn ich morgen sterben würde, was sollte dein letztes Album aussagen?’“, beschreibt Maria Taylor ihren Ansatz für In The Next Life, und selbst eine solch absolute Aussage wirkt keineswegs übertrieben angesichts der Unbedingtheit und Zeitlosigkeit, die viele der Stücke auszeichnet. Das gilt vom Auftakt Home, als Walzer mit geisterhaftem Backgroundgesang, bis zum Schlusspunkt Pretty Scars, das mit seinem Banjo und der verträumten Atmosphäre an Sophie Zelmani erinnert. Selbst ein Song wie Just Once, der nicht nur, weil sie am Anfang zweimal den Takt einzählt, fast Demo-Charakter bekommt, wirkt kein wenig beiläufig, sondern durch und durch entschlossen.

Zum Schluss darf deshalb noch einmal die Künstlerin das Wort haben, denn man kann ihr nur gratulieren zur meisterhaften Umsetzung ihres Ziels: „Ich kramte durch mein bisheriges Leben, nahm Teile aus meinem alten Leben und verflocht sie mit meinem heutigen. Ich habe alles was ich musikalisch und lyrisch gelernt habe (mit der Hilfe meiner unglaublich talentierten Freunde) zusammengetragen und in dieses Album gesteckt.“

Einen Spaziergang ins Rampenlicht zeigt das Video zu Just Once.

Website von Maria Taylor.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.