Hingehört: Matthew E. White – „Fresh Blood“


Künstler Matthew E. White

Plattencover des Albums "Fresh Blood" von Matthew E. White

In heimischen Gefilden in Virginia wurde „Fresh Blood“ aufgenommen.

Album Fresh Blood
Label Domino
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

„Das All American Nirvana, dem schon Generationen von Jazz-Mystikern und Beat-Poeten nachspürten“, hat die FAZ als die Heimat von Matthew E. White ausgemacht. Dafür finden sich auch auf seinem zweiten Album Fresh Blood einige Belege. Mindestens zwei weitere Heimaten muss man ihm aber zusätzlich attestieren. Zum einen Virginia, sein geografisches Zuhause, in dem er den Nachfolger für das Debütalbum Big Inner (2012) auch aufgenommen hat. Zum anderen die klassische Songwriter-Schule der Seventies. Immer wieder lassen die zehn Songs auf dieser Platte an Supertramp, Chicago, Paul McCartneys Wings oder auch Randy Newman denken.

Manchmal ist das als Idee etwas besser als in der Umsetzung (Golden Robes), manchmal ist es so flauschig, als hätten der Charmin Bär und sein Artgenosse auf dem Kuschelweich-Etikett ein Duo gegründet (Feeling Good Is Good Enough). Und oft gibt es auf dieser Platte Lieder wie den Schlusspunkt Love Is Deep, in dem Matthew E. White das Weltbild eines Hippies verbreitet, ausgerechnet zu einem Sound, der bestens nach Las Vegas passen würde.

Am Anfang von Fresh Blood steht allerdings beinahe Schweigen: Take Care My Baby hat zunächst mehr Pausen als Musik, dann macht es sich Whites sehr einschmeichelnde Kopfstimme in einem wunderhübschen Wohlfühl-Sound aus Klavier, Streichern, Bongos, Bläsern und Frauenchor gemütlich. Wenn es den Begriff „Soft-Pop“ noch nicht gäbe, müsste man ihn für dieses Lied erfinden. Auch Holy Moly ist am Beginn überaus sparsam instrumentiert, am Ende fast orchestral. Fruit Trees wird clever und sinnlich, kennt das Schwülstige von Prince und die Verspieltheit von HipHop. Im wunderbar zarten Circle ‚Round The Sun klingt Matthew E. White, als würde er den Song jedem einzelnen Hörer ganz persönlich ins Ohr flüstern.

Tranquility wirkt dann als siebter Track der Platte zunächst wie ein Bruch, doch dann erkennt man: White lässt hier einer betrüblichen und esoterischen Seite (fast) freien Lauf, die er auch in den Liedern davor schon wiederholt angedeutet hatte. Auch Vision hat eine störende Vorliebe fürs Abstrakte, die man ihm eher zugestehen würde, wenn das erste Drittel des Albums nicht so viel Lust auf paradiesisch eleganten Pop gemacht hätte.

Der vielleicht beste Schlüssel zum Verständnis von Matthew E. White ist der zweite Song auf Fresh Blood. Er hat ein beachtliches Tempo und wenn man das hier vom Klavier intonierte Riff auf einer E-Gitarre spielen würde, wäre es ein Monster. Doch auf derlei Plakatives oder gar Aggressivität hat der 32-Jährige keinerlei Lust. „Everybody knows / that rock and roll is cold“, singt er am Ende der ersten Strophe. Ein paar Zeilen weiter heißt es dann: „Everybody sees / that R&B is free.“ Beides stimmt natürlich nicht. Aber verpackt in solch eine Musik könnte man es fast glauben.

Tiefenentspannt: das Video zu Feeling Good Is Good Enough.

Matthew E. White bei Tumblr.

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