Hingehört: Money – „The Shadow Of Heaven“


Das Debüt von Money bestätigt die These: Geld macht nicht glücklich.

Das Debüt von Money bestätigt die These: Geld macht nicht glücklich.

Künstler Money
Album The Shadow Of Heaven
Label Bella Union
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Einen viel plakativeren Bandnamen als “Money” kann man sich kaum vorstellen. Um so erstaunlicher ist es, wie feinfühlig und subtil die Musik ist, die Jamie Lee, Charlie Cocksedge, Billy Byron und Scott Beaman unter diesem Namen machen: Ihr Debütalbum The Shadow Of Heaven ist voller Dröhnen, Brillieren und Drängen, Harmonie und Verstörendes halten sich genau die Waage. The Shadow Of Heaven ist ganz besonders, und es ist wie die Welt: wunderschön und total kaputt.

“Our aim with this band — in all things we do — is to create the world afresh on our own terms”, sagt Sänger Jamie Lee, und passend dazu merkt man The Shadow Of Heaven schnell an, dass hier ein Quartett mit einem sehr ausgereiften künstlerischen Entwurf am Werk ist, eine Band, die keine Konventionen und keine Beschränkungen zulässt. Am Beginn, in So Long (God Is Dead), steht fast nur die Stimme von Jamie Lee, dazu eine Riesenportion Leiden, Sehnsucht und Träumen. Alles spielt sich in erstaunlichen Höhen ab: Der Gesang erreicht mindestens die Jimmy-Sommerville-Frequenzen, auch an der Gitarre scheint jemand die tiefen Saiten einfach entfernt zu haben.

Die Single Who’s Going To Love You Now fängt an, als ob sie schon seit Jahrhunderten durch den Äther wabert, bevor Money sie hier eingefangen haben, der Refrain ist hymnisch, der Gesang verzweifelt und intensiv wie bei der Band Of Horses. Bluebell Fields ist einer von etlichen Tracks, an denen Radiohead ihre Freude hätten, auch dank eines Schlagzeugs, das eher um das Lied herumtänzelt als dass es antreiben würde.

Die wichtigsten Themen für dieses im Winter 2012/13 in London aufgenommene Debüt sind solche wie „isolation and mental health as logical reactions to it“, sagt Jamie Lee, und entsprechend verwirrt und bedrückt klingt die in Manchester gegründete Band. In Goodnight London singt Lee so aufrichtig gebrochen, dass man sich nicht wundern würde, wenn er wirklich dabei weinte. Der Rausschmeißer Black erreicht Abgründe wie sonst allenfalls Leonard Cohen, tiefschwarz, alles Licht verschluckend.

Wenn Lee in Letter To Yesterday von „All this blood running in my veins“ singt, dann preist er definitiv nicht den Saft des Lebens, sondern er scheint sein Blut zu verfluchen – nicht, weil man nach einer Verwundung bluten kann, sondern weil diese Wunden immer wieder heilen und der Saft des Lebens immer wieder neue Gelegenheiten für neue Verwundungen ermöglicht. Die Musik scheint dazu mit mächtigem Bass und Schlagzeug einen großen White-Lies-Moment aufbauen zu wollen. Der kommt dann zwar nicht, trotzdem macht sich in dem Lied eine schöne, romantische U2-Atmosphäre breit.

Cold Water schwillt ganz ähnlich an, es kommt aus dem Nichts und endet im Wahnsinn, mit schwerer Orgel, makabrem Beat und manischem Gesang. Im Titelsong Shadow Of Heaven glaubt Lee, dass da vielleicht gar kein Himmel mehr ist („I have walked in heaven / soon must talk in hell“, singt er), aber es ist offensichtlich, wie sehr er sich das Gegenteil wünscht. Auch dieses Lied (bei dem man kurz glauben könnte, Morten Harket singe einen verlorenen Klassiker der Smiths) zeigt: Money schrecken nicht vor den ganz großen Fragen zurück, auch wenn sie ahnen, dass sie vielleicht keine Antworten darauf finden werden.

Das Video zu Who’s Going To Love You Now vereint Elvis, Klaus Kinski und Porno:

Money bei Facebook.

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