Morcheeba – „Head Up High“


Künstler Morcheeba

Wohlklang, Kontrapunkte und Gaststars: Das ist das Rezept für "Head Up High".

Wohlklang, Kontrapunkte und Gaststars: Das ist das Rezept für „Head Up High“.

Album Head Up High
Label Pias
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

„I heal broken hearts / my love will do you good“, singt Skye Edwards mit ihrer unnachahmlichen Stimme im sehr hübschen vorletzten Lied dieser Platte. Als hätte es da noch eines so deutlichen Hinweises bedurft. Auch auf ihrem achten Album bieten Morcheeba massenhaft Songs, die sanft, schmeichelnd, ja beinahe wohltuend und therapeutisch sind. Diese Klänge können Wunden heilen, so meint man – und die Band empfindet das auch selbst so. „Das haben viele fast als religiöses Werk wahrgenommen. Ich weiß gar nicht mehr, wie oft mir Leute gestanden, mit dieser Musik aussichtslose Situationen gemeistert zu haben“, sagt Paul Godfrey beispielsweise im Rückblick über das zweite Morcheeba-Album Big Calm.

Diesen Effekt hat das Trio aus dem Süden Englands auch nach 18 Karrierejahren nicht verloren. Under The Ice, I’ll Fall Apart oder To The Grave sind Belege dafür, auch die Single Gimme Your Love ganz am Beginn des Albums passt in diese Reihe: Die Stimmung pendelt sich irgendwo zwischen heiter und smooth ein, es gibt ein paar gut versteckte Scratches, traumhaften Gesang und einen Beat, der satt ist, aber niemals in Hektik ausartet.

Allerdings gilt: Wenn man sich zu weit zurücklehnt, kippt man irgendwann um. Auch diese Tendenz ist auf Head Up High nicht zu leugnen: Im allgemeinen Wohlklang fehlt ein richtiger Ausreißer nach oben (man kann auch sagen: ein Hit), etliche Lieder sind einen Tick zu lang, beim Rausschmeißer Finally Found You kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, diesen Track schon tausendmal von dieser Band gehört zu haben. Morcheeba scheinen sich dieser Gefahr bewusst zu sein, denn sie setzen bewusst einige Kontrapunkte zum fluffigen Standardsound. „Wir haben in musikalischen Arealen experimentiert, in die wir zuvor niemals abtauchten. Aber gleichzeitig erschien uns das, als zögen wir einen bequemen Pullover über, weil uns das gemeinsame Arbeiten einfach fast so etwas wie ein Heimatgefühl schenkte“, sagt Ross Godfrey dazu. Make Believer, das auf Deep-Bass-Elementen aufbaut, ist wohl eines der Lieder, die er damit meint. In Call It Love gibt es Gefühle, die man sonst selten bei Morcheeba antrifft: Wut, Aggressivität und Zynismus stecken darin, wenn die Zeile „don’t I have your fun“ erklingt, gesungen von James Petralli (White Denim).

Auch sonst sorgen vor allem die Gäste für Abwechslung auf Head Up High. Chali 2NA (Jurassic 5) verleiht Face Of Danger einen erfreulichen Drive. Der Rap von Nature Boy Jim Kelly fügt sich erstaunlich harmonisch in Release Me Now ein, das ansonsten wie ein Alterswerk der Sugababes klingt (und das ist als Kompliment gemeint). Sogar auf Spanisch rappt Ana Tijoux in Hypnotized, das mit seinem markanten Synthie-Bass (der schockierenderweise ein paar Sekunden lang nach Smoke On The Water klingt) auch gut zu Moloko passen würde. Eines der besten Lieder wird To Be (mit Rizzle Kicks), das eine an Lily Allen erinnernde, erstaunliche Jugendlichkeit mit dem vereint, was dieses Album auch sonst ausmacht: einem Sound, der zugleich verträumt, elegant und abgeklärt ist.

Fluffig sieht auch das Video zu Gimme Your Love aus:

Homepage von Morcheeba.

Morcheeba gibt es demnächst live in Deutschland:

28.10.13 München, Theaterfabrik

29.10.13 Frankfurt, Gibson

30.10.13 Berlin, C-Club

01.11.13 Hamburg, Gruenspan

02.11.13 Köln, Kantine

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