Hingehört: The BossHoss – „Flames Of Fame“


"Flames Of Fame" zeigt: Das BossHoss-Konzept funktioniert weiter.

„Flames Of Fame“ zeigt: Das BossHoss-Konzept funktioniert weiter.

Künstler The BossHoss
Album Flames Of Fame
Label Island
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Wahrscheinlich haben das fast alle Gymnasiasten in Deutschland schon einmal erlebt. Ein Mitschüler kommt zurück aus dem Austauschjahr in den USA und er ist plötzlich total verändert. Im Englischunterricht spricht er immer, als habe er ein Kaugummi im Mund, er trägt Turnschuhe wie von einem anderen Planeten und wenn er von seinen Ausflügen aus der Pampa (da landen Austauschschüler meistens) in die etwas spektakuläreren Ecken des Lands der unbegrenzten Möglichkeiten berichtet, dann sagt er „Nu York“, nicht etwa „Nju York“ wie wir Ahnungslosen.

The BossHoss sind seit fast zehn Jahren diese Austauschschüler. Irgendwann wurden sie mit dem Amerika-Virus infiziert, und zwar mit der staubtrockenen, Cowboyhut-tragenden, Whiskey-saufenden und Truck-fahrenden Variante davon, und Heilung ist auch auf ihrem neuen Album Flames Of Fame nicht in Sicht.

Vor allem die Texte machen das diesmal deutlich: Es sind eher Klischees als Bekenntnisse, eher Slogans als Gedichte. BossHoss klingen wie die Austauschschüler, die ganz viele neue Redewendungen aufschnappen, völlig begeistert sind, alles verschlingen und die besten davon möglichst schnell nachplappern, um dazuzugehören. Das wichtigste Ziel ist: Diese Wörter sollen cool klingen. Das hat natürlich keinerlei Tiefgang, klappt aber meistens.

Eine wichtige Zutat dabei ist Humor. Das fängt schon beim Albumtitel an: Die Flammen des Ruhms lassen natürlich an die Flüchtigkeit und Beliebigkeit von medialer Aufmerksamkeit denken, die Andy Warhol einst vorhersagte. Flames Of Fame ist insofern ein gewagter (beziehungsweise fein augenzwinkender) Albumtitel für eine Band, deren zwei wichtigste Mitglieder gerade wieder als Juroren in einer Castingshow fungieren.

Dieser Humor und diese Entschlossenheit, auf Credibility und allzu viel Kopfzerbrechen im Zweifel einfach zu scheißen, schimmert auch im Opener Bullpower durch – zumindest wenn man um die Verbindung von BossHoss zu Red Bull weiß. Der Brausehersteller hat zuletzt eine US-Tour-Dokumentation der Berliner Cowboys gesponsert, ein Teil von Flames Of Fame wurde auch in den Red Bull Studios in Los Angeles aufgenommen. Dass Bullpower mit der Zeile „It’s the hour / of bullpower“ und einer Herangehensweise, die man schön auf die Worte Riff! Riff! Riff! reduzieren kann, hervorragend als Werbesong für den Energy Drink funktionieren würde, wundert da nicht.

Zwei weitere Erkenntnisse bietet Flames Of Fame. Zum einen haben die Tijuana Wonderbrass, also die Bläsersektion bei The BossHoss, diesmal eine enorm prominente Rolle. Eager Beaver zum Beispiel ist eines von vielen Liedern auf dieser Platte, die okay sind, durch die Bläser aber extra Schmackes und eine neue Qualität bekommen. Zum anderen ist es erstaunlich, wie gut das Konzept von The BossHoss auch auf ihrem siebten Album noch funktioniert: A Little More More More etwa könnte auch von Rodeo Radio (2006) stammen, klingt aber kein bisschen angestaubt, sondern hundertprozentig wirkungsvoll.

Das ist auch gekonnten Variationen zu verdanken wie der funky Gitarre in Whatever, dem akustischen What If oder dem HipHop-Beat und Sprechgesang in Easy To Love You. Das Lied würde definitiv auch Everlast gut gefallen, wenn er es eines Tages im Autoradio (also genau dort, wo es hingehört) entdecken sollte. God Loves Cowboys heißt der letzte (und arschcoole) Track auf Flames Of Fame, und die letzten Zeilen dieser Platte lauten: „God loves cowboys, believe it or not / so if you mess with BossHoss, you mess with God.“ Das stimmt wohl.

The BossHoss spielen Do It live:

Homepage von The BossHoss.

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