Hingehört: Aerosmith – „Get A Grip“ 1


"Get A Grip" leidet unter dem enormen Qualitätsgefälle, bietet aber auch einen Haufen Hits.

Künstler Aerosmith
Album Get A Grip
Label Geffen
Erscheinungsjahr 1993
Bewertung ***

Schon wieder dieser unselige Hang zu „ausgefallenen“ Spielereien mit Sound-Versatzstücken und irgendwelchem Achtung!-ich-könnte-ein-Soundtrack-sein!-Kram. Diesmal unter anderem ein völlig überflüssiges Intro. Dafür geht es danach recht zünftig los, Eat The Rich und Get A Grip sind grundsolide Rocker.

Nach dem mittelmäßigen Fever gibt es dann den ersten Kracher: Livin´ On The Edge. Ein sehr ambitionierter und komplexer Song, der aber dennoch funktioniert. Wie fast bei allen Stücken auf diesem Album zudem ungewohnt virtuose Bassgitarren-Arbeit. Die ersten vier Songs machen also Hoffnung auf ein richtig großes Album, doch dann wird das große Manko dieser Platte deutlich: Die Qualitätsunterschiede zwischen den einzelnen Tracks sind riesig. Gleich fünf Stücke sind völlig verzichtbar, und hätte man sie weggelassen – Aerosmith wäre ein an Pump heranreichendes Album gelungen.

Doch so: Nach dem grandiosen Livin´ On The Edge kommt mit Flesh ein totaler Flop. Der Text handelt von – nunja, Fleisch eben und den damit verbundenen körperlichen Gelüsten, aber die Musik hat ungefähr so viel Sex wie Uwe Hübner. Walk On Down hat eine klasse Strophe, aber der Refrain ist Müll, auch Shut Up And Dance bleibt (der zwanghaft-programmatische Titel lässt es schon befürchten) schlaff.

Cryin´ rettet dann zunächst wieder die Stimmung. Zwei Ereignisse verbinde ich mit diesem Stück: 1. den Tag, an dem ich das erste Mal Alicia Silverstone gesehen habe. Uff. Uff. Kurz Luft holen. Was für ein Videoclip! Leider ist es mir unmöglich, den Song unabhängig von diesem tief prägenden Ereignis zu bewerten, deshalb kriegt er natürlich fünf Sterne. Vielleicht ist er auch schlecht, ich weiß es wirklich nicht, und Alicia ist schuld. 2. Während meiner Bundeswehr-Zeit hatte ich einen KAMERADEN auf meiner STUBE, der sehr virtuos Gitarre spielen konnte. Ich habe dann auch meine Klampfe geschnappt, und nachdem wir zu zweit eine flasche Tequilla getrunken hatten, haben wir die grandioseste Version intoniert, die man je von Cryin´ gehört hat. Es war auch Publikum zugegen, wer es nicht glaubt, kann sie ja fragen. Ach ja: Ich habe natürlich gesungen.

Soviel zu Cryin´. Danach wieder ein Auf und Ab. You Gotta Love It=Totalausfall, Crazy=klasse (im Clip diesmal Liv Tyler und schon wieder Alicia). Line Up bleibt trotz der Mitwirkung von Lenny Kravitz nur unteres Mittelmaß.

Can´t Stop Messin´ ist noch schlechter, doch der Abschluss (wenn man das Instrumentale Outro Boogie Man nicht mitzählt) glückt Aerosmith wie immer. Amazing ist eben das, und diesmal auch völlig unabhängig von Alicia Silverstone. Der Text wimmelt zwar wie immer von Rock-Klischees, bleibt aber dennoch glaubwürdig, also gelungen. Songtechnisch nicht mehr zu verbessern. Dazu beginnt das Stück mit einer Zeile, die man auf das Tracklisting für dieses Album anwenden kann: „I kept the right ones out / and let the wrong ones in.“

Als Clip gibt es, wer hätte es gedacht, natürlich Alicia. Ähm, ich meine natürlich: Cryin‘.

Aerosmith bei MySpace.


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