Hingehört: Arbouretum: „Coming Out Of The Fog“


Expressionistische Texte und viel Liebe zur Gitarre haben Arbouretum im Gepäck.

Expressionistische Texte und viel Liebe zur Gitarre haben Arbouretum im Gepäck.

Künstler Arbouretum
Album Coming Out Of The Fog
Label Thrill Jockey
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung  

An absurden Musikgenres besteht seit ungefähr 1952 (damals wurde der NME gegründet) kein Mangel mehr. Aktuelle Beispiele finden sich zuhauf: Niveaulectro. Witch House. Smartcore. Shroomadelica. Deutscher HipHop. Arbouretum können da aber noch locker einen draufsetzen: Die Band aus Baltimore macht Doomfolk. Sie hat mit ihrem letzten Album The Gathering 2011 sogar „the best doom-folk record of all time” (XLR8R) gemacht beziehungsweise, laut Mojo, „the #1 underground album of the year“.

Was man sich darunter vorstellen darf? Jan Schwarzkamp hat das Wesen von Doomfolk aus Anlass von The Gathering in der Visions so umschrieben: “Dieser Folkrock ist näher am Doom als am Lagerfeuer. Der lavaartig fließende Doomfolk entwickelt (…) eine enorm hypnotische Sogkraft. Da gibt es kein Entrinnen.” Hört man Coming Out Of The Fog an, das fünfte Album von Arbouretum, dann bekommt man einen guten Eindruck davon, was er meint. Beispielsweise auf das träge Renouncer trifft seine Beschreibung perfekt zu, dazu gibt es im Text Bilder wie aus dem Alten Testament.

Auch der Rausschmeißer Coming Out Of The Fog darf als Definition des Genres gelten: Der Song klingt, als würde man hinein gehen in einen Nebel oder in ein Meer, in dem man sich Erlösung, Untergang und Wiedergeburt erhofft wie Hermann Hesses Klingsor. Klavier und Pedal-Steel-Gitarre sorgen dafür, dass Angst und Bedrohung, die dieser Gedanke ausstrahlt, zugleich beseelt und versöhnlich wirken.

Ganz am Anfang steht The Long Night, Gesang und E-Gitarre von Bandleader Dave Heumann (er hat übrigens schon mit Bonnie Prince Billy zusammen im Nebenprojekt Anomoanon gespielt) haben die Attitüde von Progrock, aber im Text zeigt er sich als ganz auf sich selbst zurückgeworfen – und wirkt gerade deshalb so verloren.

Die Basstrommel in The Promise klingt derart tief, als versuche sie, mit jedem Schlag dem Klöppel der Fußmaschine von Drummer Brian Carey ein bisschen mehr zu entfliehen. Rundherum entspinnt sich ein Track, der an eine abstraktere Variante von Pearl Jam denken lässt, an einen Festivalauftritt in der Nachmittagssonne oder zu ganz später Stunde, wenn die Sonne fast schon wieder herauskommt.

Im sanften Ocean’s Don’t Sing sind Arbouretum nahe am Country, das Lied wird herrlich schön und am Ende herzzerreißend wie die Counting Crows. Das angriffslustige Instrumental Easter Island setzt hingegen auf nervöse Percussions. All At Once, The Turning Weather ist gleichzeitig geerdet und sphärisch, Alltag und Geheimnis. World Split Open (in dem Dave Heumann singt wie Ed Kowalczyk von Live) könnte mitten aus den Siebzigern stammen.

Viele der Lieder wären für sich genommen im schlimmsten Fall ein wenig langweilig und nichtssagend, aber im Albumkontext werden sie ebenso mächtig wie erhaben. Letztlich machen Arbouretum Musik, die Raum und Luft liebt, und vor allem die elektrische Gitarre. Mit kann Doomfolk also auch viel prägnanter umschreiben, mit den einfachen Worten: Neil Young.

Ha! Gegen Ende ist im Video zu Coming Out Of The Fog dann doch noch ein Lagerfeuer zu sehen:

Homepage von Arbouretum.

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