Arctic Monkeys – „Favourite Worst Nightmare“ 3


Künstler Arctic Monkeys

„Favourite Worst Nightmare“ ist, dankenswerterweise, keine Abrechnung mit dem Ruhm und seinen Folgen.

Album Favourite Worst Nightmare
Label Domino
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung

Atlas kann einpacken. Verglichen mit dem Druck, der auf den Schultern von Alex Turner lastete, ist die Welt allenfalls so schwer wie der Bücherschrank von Paris Hilton. Dass der Frontmann der Arctic Monkeys in letzter Zeit ein bisschen schnippisch geworden war (patzige Interviews und eine EP mit dem hübschen Titel Who The Fuck Are Arctic Monkeys?), kann man ihm kaum übel nehmen. Schließlich hat seine Band das bestverkaufte Debütalbum aller Zeiten in Großbritannien veröffentlicht. Nur zur Einordnung: Das bedeutet mehr als die Beatles, mehr als die Spice Girls und mehr als Oasis. Und kaum dem Teenager-Alter entwachsen, muss er nun nachlegen.

Die gute Nachricht: Favourite Worst Nightmare ist so gut, wie der gefeierte Vorgänger bloß geredet wurde. Den Druck hat die Band auf sehr eigene Weise weggesteckt, er hat seine Spuren durch abgebrochene Aufnahmesessions und einen neuen Bassisten hinterlassen. Aber die Jungs aus Sheffield haben es geschafft, ihre Seele zu wahren.

Turner ist weiterhin ein toller Texter (bestes Beispiel: „Who’d want to be man of the people / when there’s people like you“ ist am Ende von Teddy Picker ein präziser Schlag in die Magengrube, bevor ein einziger Schlagzeug-Ton dann den K.o. versetzt), und er widersteht der Versuchung, aus dieser Platte eine Abrechnung mit dem Ruhm und seinen Folgen zu machen.

Und musikalisch hat das Quartett einen Quantensprung gemacht. Rhythmisch ist diese Platte so raffiniert, wie man es kaum einmal von einer Rockband hört. Die Arctic Monkeys spielen so tight und souverän wie der Buena Vista Social Club, so schnell und unbarmherzig wie Slayer und so zackig wie, wahrscheinlich, die Stabskapelle der nordkoreanischen Armee.

Sie können jetzt Riff-Monster wie die Single Brianstorm, das famose D Is For Dangerous oder den Knaller If You Were There, Beware. Sie können ganz sanft und zerbrechlich klingen wie im zauberhaften Only Ones Who Know. Sie können so unfassbar funky sein (Old Yellow Bricks), dass Franz Ferdinand daneben aussehen wie ein paar lahme weiße Jungs. Und sie können epische Rausschmeißer (505) spielen, wo in einer Zeile so viel Dramatik steckt wie in einem ganzen Akt von Romeo und Julia.

Am besten sind sie in Fluorescent Adolescent, das als zentrales Stück des Albums gelten kann. „You used to get it in your fishnets, now you only get it in your nightdress“, beginnt Alex Turner zu singen, und so famos auf den Punkt ist das ganze Stück. Die Arctic Monkeys sind noch unfassbar jung, aber man mag kaum glauben, dass sie jemals ein besseres Lied aufnehmen werden. Von einem besseren Album ganz zu schweigen.

Das Video zum unerreichten Fluorescent Adolescent:

Die Arctic Monkeys bei MySpace.


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