Austra – „Olympia“


Künstler Austra

Plakative Mittel setzen Austra auf "Olympia" sehr subtil ein.

Plakative Mittel setzen Austra auf „Olympia“ sehr subtil ein.

Album Olympia
Label Domino
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung

Es gehört eine Menge dazu, um mit der Stimme von Katie Stelmanis konkurrieren zu können. Die Kanadierin, Fronfrau von Austra, hat eine Monster-Stimme, klassisch ausgebildet und eindringlich, irgendwo zwischen Kate Piersson, Melanie und Björk. Trotzdem könnte man versucht sein, zu sagen: Auf Olympia, dem zweiten Album von Austra, wird sie in den Schatten gestellt. Und zwar ausgerechnet von Schlagzeugerin Maya Postepski.

Katie Stelmanis wäre wohl die letzte, die mit dieser These ein Problem hätte. “Maya played a huge role in the production of the album”, erzählt sie über ihre Kollegin, mit der sie übrigens vor Austra auch schon in ihrer vorherigen Band Galaxy zusammen gespielt hat. “There is a major percussive element running through every song. This is the album where we discovered rhythm.”

Die betörenden Tracks Fire oder Reconcile sind gute Belege dafür, auch das umwerfende We Become: Das Lied hat einen tollen Beat, den wahrscheinlich nicht einmal Madonna versauen könnte, es klingt wie ein Sommerhit für einen Kontinent voller feministischer, wehmütiger Androiden. Auch Annie (Oh Muse, You), der beste Song auf Olympia, und Forgive Me profitieren enorm vom großzügigen Percussion-Einsatz, Hercules & Love Affair oder andere DFA-Speerspitzen sind ein guter Orientierungspunkt dafür.

Die zahlreichen Marimbas, Bongos und Congas und die organische Atmosphäre von Olympia (alles wurde live aufgenommen) sind dabei durchaus symptomatisch: Nach dem Überraschungserfolg des Debütalbums Feel It Break war die Band aus Toronto im Prinzip drei Jahre lang am Stück auf Tour, unter anderem mit The XX und Gossip. Die drei bis dahin nur als Gastmusiker firmierenden Mitglieder Ryan Wonsiak (Keyboard) und Sari & Romy Lightman (Backgroundgesang) sind nun vollwertige Austras. Und das Sextett arbeitet auch wie eine Band. “Previously, I would flesh out songs before I brought them to the band, but this time I left them bare and let the others fill them in” erklärt Katie Stelmanis die Arbeitsweise.

Ihr Gesang ist natürlich nach wie vor das Markenzeichen von Austra. Nach einer Minute Pluckern am Beginn des Albums überstrahlt er im Opener What We Done alles. Wenn dann nach gut drei Minuten auch der Beat einsetzt, wird das Ganze vollends unwiderstehlich. Die Single Home (“I was mad and upset and the song just wrote itself”, sagt Stelmanis über das Lied, das von der Angst handelt, die ganze Nacht darauf zu warten, dass die Geliebte zurückkehrt) beweist, dass auch ein vergleichsweise konventioneller Track wie von einer anderen Welt klingt, sobald sie ihn singt.

You Changed My Life setzt am Anfang nur auf Gesang und Klavier und ist dennoch sofort fesselnd. Im Rausschmeißer Hurt Me Now singt Stelmanis noch eine zweite Stimme, die wie eine heimliche Annie Lennox klingt. Der Track ist komplex wie vieles auf Olympia und wie etliche Stücke dabei doch um einen einfachen Slogan herum aufgebaut. Das ist hier immer wieder ein schlüssiges Konzept: Austra nutzen ganz plakative Mittel, aber sie setzen sie sehr subtil ein.

“We are really into dense harmonies and big beautiful melodies, but I also love techno and dance music. I wanted to bring those elements together”, erläutert Katie Stelmanis diesen Effekt. Das sorgt für eine beeindruckende Bandbreite: Die Single Painful Like klingt nach einer Disco, in die man nur reinkommt, wenn man Laura Palmer heißt (und auch so aussieht). Sleep setzt auf ein bisschen Pentatonik, auf einen Refrain, den man sich auch von A-ha vorstellen könnte, und auf ein Break mit Industrial-Anspielungen. I Don’t Care (I’m A Man) ist nur knapp über eine Minute lang, aber trotzdem sehr kunstvoll.

Das Ergebnis ist spannend, tanzbar und besonders, und was für die Percussions gilt, trifft auch insgesamt auf die Musik von Austra zu: sie ist gleichzeitig infantil und sophisticated, sphärisch und zupackend, primitiv und schlau.

Hurt Me Now funktioniert auch ohne Percussions, wie diese Version beweist.

Homepage von Austra.

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