Björk – „Debut“ 1


Künstler Björk

Björk liefert ein Märchen von einem Debüt.

Album Debut
Label One Little Indian
Erscheinungsjahr 1993
Bewertung

Willkommen im Märchenland. Oder aber: „Be ready to get confused“, wie Björk schon in der dritten Zeile auf ihrem Debut warnt. „There is no map / and a compass wouldn´t help at all.“

Irgendwoher ertönen zum Auftakt Nilpferdpauken, Klapperschlangenwirbel, dazu Elfenstimmen und am Schluss plötzlich Rock. Eine Eisprinzessin erscheint und verspricht eine wundersame Reise, die immer tiefer hineinführt, in den Dschungel der Angst, in die Wüste der Einsamkeit. Ein paar routinierte Erwachsene kommen uns entgegen. „There´s no one here / and people everywhere / crying ´cause I need you / crying, I can feel you / crying ´cause I care“, schreit ihnen die Eisprinzessin entgegen, wie ein wütendes Kind, das ihnen die Augen öffnen will. Ein Venusjunge spielt Vibraphontöne, sie bilden eine Treppe, die Eisprinzessin tanzt auf den Stufen, immer höher, hinauf ins All.

Ein arabisches Raumschiff fliegt vorbei, sie winkt den Astronauten, doch die Besatzung antwortet nicht. Ein Geigenfallschirm bringt uns zurück auf die Erde. Wir landen mitten im Nachtleben, in einer Metropole, in einem Club. Ein junger Mann lockt, doch die Eisprinzessin verzieht sich erst einmal auf die Toilette. Der Wasserhahn spielt die Töne einer Wolkenharfe, die Eisprinzessin singt ein uraltes Lied. Dann geht es zurück auf die Tanzfläche, ein seltsamer House-Track names Big Time Sensuality wird gespielt. „We just met / and I know I´m a little bit too intimate / but something huge is coming up / and we´re both included“, flüstert mir die Eisprinzessin ins Ohr.

Wir gehen hinaus, ein Taxi navigiert uns durch das absurd bunte Nachtleben. Am Hafen steigen wir aus, ein paar hoffnungslos betrunkene Jazzrentner aus aller Herren Länder spielen ein Flugzeuglied. Wir setzen uns zu ihnen, trinken mit und werden gemeinsam traurig. „How come / out of all the people in the world / only one / can make me complete“, fragt mich die Eisprinzessin. Ich schluchze. Ich möchte ihre Hand nehmen, doch sie rennt hinaus, schnappt sich ein Fahrrad, rast durch die Piers, runter zum Strand, hinein ins Meer. Sie leuchtet im dunklen Wasser, wirft die Arme in die Luft und singt. Sie ist zu weit weg, um den Text zu verstehen, aber es klingt wie „I love you“.

Plötzlich ertönen Sirenen, wir hauen ab, das Fahrrad bleibt zurück. Wir rennen über den Markt, die ersten Händler bauen ihre Stände auf und hören Seemannslieder. Die Eisprinzessin ist noch ganz nass, sie wirft eine Kiste voller Krebse um. Die Sirenen kommer näher. Die Eisprinzessin wirft mich hin, wir stellen uns tot.

Komplett irre (nicht nur das gelbe Kleid!): Big Time Sensuality in der Unplugged-Version:

Björk bei MySpace.


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