Hingehört: Cake – „Prolonging The Magic“


Trotz einiger Abgänge bietet "Prolonging The Magic" den patentierten Cake-Sound.

Künstler Cake
Album Prolonging The Magic
Label Capricorn
Erscheinungsjahr 1998
Bewertung ****

Nach grandiosen Adaptionen unter anderem von Gloria Gaynor und Willie Nelson auf dem Vorgänger Fashion Nugget war alle Welt beim Erscheinen von Prolonging The Magic zunächst darauf gespannt, welche Stücke Cake diesmal covern würden. Doch das Suchen bleibt vergeblich. Fremdkompositionen gibt es auf diesem Album nicht. Noch eine weitere Enttäuschung bringt das Lesen des Booklets: Victor Damiani, einer der begnadetsten Bassisten unter der Sonne, und Greg Brown, dessen Gitarrespiel den Cake-Sound entscheidend geprägt hat, haben die Band verlassen.

Die Trauer währt allerdings nur so lange, bis man die „Play“-Taste drückt. Der typische Groove, die unnachahmliche Leichtigkeit, die bekannte Ironie und – ganz entscheidend – die vertraute Stimme von John McCrea, der noch immer superbe Texte wie den von Mexico schreibt. „I had a match / but she had a lighter / I had a flame / but she had a fire / I was bright / but she was much brighter / I was high / she was the sky.“

Der Sänger bereichert den Sound diesmal auch gelegentlich mit Moog-Klängen. So ist die erste Single Never There auch das mit Abstand am opulentesten produzierte Cake-Stück aller Zeiten. Die Gimmicks sind durchaus gelungen, doch vor allem der Refrain ist für eine Single (und damit als Zugpferd für das ganze Album) zu schwach.

Dabei hätte es reichlich gelungene Stücke gegeben, die sich als Vorab-Release besser gemacht hätten. Ein Hit ist beispielsweise das hemmungslos fröhliche Guitar mit Chuck Prophet als Gaststar. Für Cake-Verhältnisse eigentlich etwas zu einfach gestrickt, aber melodiös überzeugend gerät auch Walk On By. Obwohl es zunächst etwas improvisiert klingt und deshalb sperrig bleibt, entwickelt Sheep Go To Heaven unterschwellig eine enorme Anziehungskraft. „As soon as you´re born you start dying / so you might as well have a good time.“ Wie wahr.

Auch When You Sleep setzt auf ein call-and-response-Spiel mit dem Background-Chor und entwickelt in knapp vier Minuten einen immer größer werdenden Charme. Das beste Stück der Scheibe.

Einige andere Songs hingegen weisen Zeichen der Abnutzung (You Turn The Screws) oder der Überdehnung (Cool Blue Reason) auf. Die Band will sich hörbar weiterentwickeln, doch sie weiß noch nicht so recht, in welche Richtung. Gerade einige Instrumentalpassagen geraten dadurch diffus. Sich selbst ihre Klasse beweisen zu wollen, haben Cake gar nicht nötig.

Natürlich will sich keine ambitionierte Band ewig selbst wiederholen. Aber vielleicht hätten sich Cake während der Aufnahmen noch mal des Albumtitels erinnern sollen. Denn am stärksten sind sie noch immer da, wo sie auf ihren patentierten Sound bauen – und die Magie noch ein wenig länger am Leben erhalten. Der Rausschmeißer Where Would I Be kann zwar nicht ganz mit She´ll Come Back To Me mithalten, ist aber trotzdem sehr fein. „Where would I be without your love? / Where would I be without your arms around me?“ Dafür gibt es den Julio-Iglesias-Schmachtpreis des zerfließenden Butterwürfels.

Heimspiel: Never There, live in Kalifornien:

Cake bei MySpace.

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