Hingehört: Crosby & Nash – „Bittersweet Dreams“ 3


Das Cover verbirgt es noch, aber "Bittersweet Dreams" ist sehr hübsch.

Künstler Crosby & Nash
Album Bittersweet Dreams
Label Music Avenue
Erscheinungsjahr 1975
Bewertung ***

Man hört das ja immer wieder: Musiker, die von ihren Platten als ihren „Babies“ sprechen. Wahrscheinlich sind sie zu sehr von Drogen umnebelt, im Ego gefangen oder vom Jetlag geplagt, um zu bemerken, wie verkehrt dieses Bild ist. Bei einem Neugeborenen wären das beispielsweise wirklich gute Nachrichten – aber wer will schon hören, dass eine Platte „gesund“ ist? Oder ihrem Erschaffer ähnlich sieht? Oder gar, das vernichtendste aller Urteile: dass die Platte „sehr hübsch“ geraten ist?

Doch genau das ist Bittersweet Dreams: sehr hübsch. Wunderhübsch sogar, ein Ausbund an Ästhetik, Eleganz und Wohlklang. Und das ist in diesem Fall keine harmlose Umschreibung von Langeweile, sondern unbedingt gut so.

Denn auf ihrem zweiten Album als Duo (die erste Wiedervereinigung mit Stephen Stills und Neil Young lag gerade erst hinter ihnen) werden David Crosby und Graham Nash nicht nur von den besten Musikern begleitet, die die Westküste damals zu bieten hatte (Levon Helm spielt Schlagzeug, James Taylor und Carole King singen im Hintergrund). Sie liefern auch einige ihrer besten Songs ab. Und bestechen immer wieder mit einem himmlischen Harmoniegesang.

Schon zum Start verzaubern sie im sanften Carry Me und schaffen es beinahe tatsächlich, den Hörer in andere Sphären zu befördern. Durch Bittersweet hüpfen Klaviertöne wie Libellen über Seerosen an einem Sommertag. Die vergleichweise kraftvollen Take The Money And Run und Love Work Out hätten die Eagles stolz gemacht. Naked In The Rain ist ein Traum, Cowboy Of Dreams sogar noch ein Stück berückender. Insgesamt: Sehr hübsch. Ganz einfach.

Eine, ähm, sehr hübsche Live-Version von Carry Me, sogar mit Neil Young an Bord:

Crosby, Stills und Nash bei MySpace.


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