Hingehört: Explosions In The Sky – „Take Care, Take Care, Take Care“


"Take Care, Take Care, Take Care"! Diese Platte enthält keinen Gesang!

„Take Care, Take Care, Take Care“! Diese Platte enthält keinen Gesang!

Künstler Explosions In The Sky
Album Take Care, Take Care, Take Care
Label Bella Union
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***1/2

„The guitar is just a wonderful instrument. It’s everything: a bartender, a psychiatrist, a housewife. It’s everything, but it’s elusive“, hat Les Paul einmal gesagt – selbst eine Gitarristen-Legende und zudem Erfinder eines der noch heute beliebtesten Gitarrenmodelle. Explosions In The Sky wissen, wovon er spricht: Das Quartett aus Texas besteht aus einem Schlagzeuger und gleich drei Gitarristen.

Take Care, Take Care, Take Care ist ihr sechstes Album, und welche Musik sie darauf machen, versteht man am besten, wenn man zurück geht zu dem Moment im Jahr 1999, in dem Explosions In The Sky entstanden sind. Damals hing ein Zettel in einem Plattenladen, und darauf stand: “Wanted: sad triumphant rock band.“ So fanden die vier Mitglieder zusammen, und als erstes gingen sie in eine Pizzeria und quatschten über Filme.

Man kann natürlich auch Post-Rock dazu sagen (viele tun das), oder „Gitarrenmusik für den Gourmet“ (wie ich gerade aus berufenem Munde vernommen habe), aber „traurig“ und „triumphal“ sind in jedem Fall weiterhin mindestens genauso gültige Attribute für diese Musik. Auch der cineastische Charakter der Songs wird auf Take Care, Take Care, Take Care immer wieder deutlich.

Schon der Auftakt Last Known Surroundings nimmt fast eine Minute lang Anlauf, dann klingt das Lied zunächst, als würde jemand oben Bomben abwerfen während unten kleine Kinder spielen; schließlich wird daraus eine halsbrecherische Flucht, die zugleich ein entspannter Spaziergang sein könnte.

Im Dreivierteltakt beginnt danach Human Qualities mit Picking und dezenten Drums, das Lied verschwindet fast in sich selbst, bevor sich im Hintergrund ein großes Grollen andeutet und dann nach sieben Minuten auch tatsächlich ausbricht.

Fast alle Stücke evozieren solche Bilder, was nicht nur daran liegt, dass Explosions In The Sky durchweg instrumental arbeiten. Sie schaffen es auch, ihre Virtuosität und Kreativität, die am Ende des Albums in Let Me Back In am deutlichsten zutage tritt, immer wieder zu nutzen, um ganz viel Atmosphäre zu schaffen oder herrliches Kopfkino zum Laufen zu bringen.

Vier Jahre Zeit haben sich Explosions In The Sky für ihren sechsten Longplayer gelassen, und sie haben diverse, durchaus einleuchtende Erklärungen dafür: “One of us got married. One of us has had two kids since the last album. One of us has panic attacks. One of us took classical guitar lessons. One of us restored a piano from 1888. One of us had a serious illness in the family (and a recovery). One of us attempted, but did not complete, the P90X program.”

Als kleinen Scherz fügen sie noch hinzu: “One of us was obsessed with this new album having 17 shorter songs.” Das wäre in der Tat ein revolutionäres Konzept für die Band gewesen. Nun ist Postcard From 1952 mit gut sieben Minuten tatsächlich das zweitkürzeste (!) Stück der Platte, insgesamt kommen die sechs Tracks auf etwas mehr als 46 Minuten Spielzeit.

Neben solch angeblicher (und oberflächlicher) Differenzen war die Entstehungsgeschichte von Take Care, Take Care, Take Care in Wirklichkeit wohl auch vom Beinahe-Aus der Band geprägt. 50 Demos entstanden während eines Wochenendes intensiver Arbeit (und, wie passend, intensiven Filmguckens). Danach nahmen Explosions In The Sky jedoch für einige Monate eine komplette Auszeit von der Musik. Erst, als die beendet war, wurden die alten Demos wieder gesichtet und aus deren Einzelteilen dann richtige Songs geschrieben. Im September 2010 wurde das Ganze innerhalb von zwei Wochen in der Sonic Ranch in der Nähe von El Paso auf Band gebannt.

Das Warten hat sich definitiv gelohnt: Mit Platz 16 in den US-Charts wurde Take Care, Take Care, Take Care zum bisher erfolgreichsten Album in der Geschichte von Explosions In The Sky. Auch die Band selbst ist, mit gutem Recht, nach all den Irrungen und Wirrungen mehr als zufrieden: “We are pretty ecstatic with how it turned out.”

Live gönnen sich Explosions In The Sky auch noch einen Bassisten, wie diese Version von Last Known Surroundings beim Lollapalooza zeigt:

Explosions In The Sky bei MySpace.

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