Hingehört: Hannes Wader und Allan Taylor – „Old Friends In Concert“


Seit 30 Jahren befreundet, jetzt erstmals gemeinsam auf Tour: Hannes Wader und Allan Taylor.

Seit 30 Jahren befreundet, jetzt erstmals gemeinsam auf Tour: Hannes Wader und Allan Taylor.

Künstler Hannes Wader und Allan Taylor
Album Old Friends In Concert
Label Universal
Erscheinungsjahr 2013
Bewertung *1/2

Krieg, Zorn und blinder Idealismus haben zwei Dinge gemeinsam. Erstens: Alles Scheiß-Ideen. Zweitens: Alles Dinge, die man – wenn es schon sein muss – besser jungen Männern überlassen sollte.

Es gibt deshalb einige Momente auf Old Friends In Concert, die nicht nur ein bisschen peinlich sind. Allan Taylor, der in diesem Jahr 68 wird, singt beispielsweise in Los Companeros vom Kampf an der Seite von Fidel und Che. Hannes Wader, bereits jenseits der 70, stimmt danach Schwestern, Brüder an, und diese akustische Pose von Revolution, Rotfront und geballter Faust muss einfach lächerlich wirken von einem Mann, der in diesem Moment mit lichtem Haar und grauem Bart höchstwahrscheinlich auf einem Barhocker sitzt.

Immerhin: Das sind die beiden ärgsten Ausrutscher auf dem ersten gemeinsamen Album der Singer-Songwriter. Seit 30 Jahren kennen sich Wader und Taylor, sie haben auch schon zusammen gesungen, aber noch nie ein ganzes Konzert zu zweit bestritten. Im Mai 2011 war es so weit. Old Friends In Concert ist die Dokumentation dieser 7-Tage-Tournee. „Ich freue mich sehr, mit ihm auf der Bühne zu stehen“, sagt Wader über seinen englischen Freund. Auch Taylor genießt die Rundreise der „two old travelling troubadours“ nach eigenem Bekunden sichtlich.

Für die Musik sorgen ausschließlich die Akustikgitarren der beiden Altmeister, und man hört ihnen dabei sowohl an, wie viel Spaß sie am Zusammenspiel haben, als auch, wie intensiv sie dieses Programm geprobt haben. In Liedern wie Gut wieder hier zu sein / It’s Good To See You klingen sie beinahe wie Simon & Garfunkel (von denen es übrigens eine Compilation namens Old Friends gibt), also ein jahrelang eingespieltes Duo, nicht ein spontan entstandenes.

Es erklingen Lieder von Wader und solche von Taylor, mehrfach wird innerhalb eines Songs von Deutsch zu Englisch gewechselt oder umgekehrt. Kleine Stadt / The Town I Loved So Well ist ein gutes Beispiel dafür, und die Perspektive des nostalgischen Rückblicks steht den beiden Herren deutlich besser als der eingangs erwähnte Geist der Revolte. In Banjo Man scheinen Wader und Taylor sich mit ihrem feinen Picking beinahe einen kleinen Hahnenkampf zu liefern, Kerouac’s Dream, von Allan Taylor als Solonummer vorgetragen, erinnert an das letzte Album von Mark Knopfler.

Mit Sag’ mir, wo die Blumen sind / Where Have All The Flowers Gone gibt es auf Old Friends In Concert noch einen Klassiker der Singer-Songwriter- und Friedensbewegung und man hört förmlich, wie mancher im Publikum den Impuls unterdrücken muss, lauthals mitzusingen oder zumindest in musikantenstadl-artiges Mitklatschen auszubrechen. Dankenswerterweise bleibt solch ein Moment dem Hörer (und den beiden Künstlern) aber erspart, es wäre ein ähnlich trauriges Spektakel gewesen (und aus denselben Gründen) wie Los Companeros.

In Summe ist das hübsch gespielt, es gibt hier keine schlechten Lieder und auch die Stimmen von Wader und Taylor sind nach wie vor vorzeigbar. Was fehlt, ist zum einen Originalität (beiden hört man in jeder Sekunde an, wie viele Körperteile sie freiwillig opfern würden, um wenigstens einen Tag lang mal Bob Dylan sein zu dürfen), zum anderen Humor (der beispielsweise die Musik des durchaus geistesverwandten und nicht minder aufrechten Reinhard Mey deutlich erträglicher macht).

Vor allem aber mangelt es Old Friends In Concert an Relevanz. Letztlich ist diese Platte nicht viel mehr als ein einigermaßen selbstverliebter Versuch, die alten Zeiten noch einmal in Erinnerung zu rufen. Wader singt immer ein Stück zu laut, will sich in den Vordergrund drängen, wird zum klar dominanten Teil in dieser Partnerschaft. Das tut dem Album nicht unbedingt gut, denn gerade in den englischen Passagen wirkt sein Gesang mitunter arg manieriert. Man merkt, dass er im Genre der Folkmusic der Nachahmer ist, der versucht, sich in eine (in erster Linie amerikanische) Tradition zu stellen, in die er nicht gehört. Diesen Makel scheint Wader durch Kraft wettmachen zu wollen – dabei wäre hier erst ein bisschen mehr Demut und weniger Ego gefragt gewesen.

Hannes Wader und Allan Taylor singen Kleine Stadt / Town I Knew So Well:

Homepage von Allan Taylor.

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