Hingehört: Jan Delay – „Mercedes Dance“ 2


Jan Delay beerdigt auf "Mercedes Dance" die Politik - und setzt stattdessen auf Party.

Künstler Jan Delay
Album Mercedes Dance
Label Universal
Erscheinungsjahr 2006
Bewertung ***1/2

Jan Delay hat den Spaß zum Programm erklärt. Das Jammern über Politiker hat sich erledigt. Heute ist Disco-Zeit. Oder aber: „Reggae ist tot, jetzt ist Funk dran“, wie es gleich zum Start von Mercedes Dance heißt.

Das darf man wörtlich nehmen: Mit neunköpfiger Kapelle tritt der Obernäsler an – und die beherrscht die komplette Palette von George Clintons Wucht bis zur Virtuosität von Prince. So wird Klar zu einem Monster, ebenso krachig wie elegant. Leise Flöten verfeinern Kirchturmkandidaten, Bläser sorgen für die nötigen Kicks in Raveheart. Das famose Feuer lodert vor allem dank eines stampfenden Soul-Beats und messerscharfer Gitarren, selbst der Instrumental-Jam Gasthaus zum lachenden Stalin ist erträglich. Plastik schließlich hat einen Elektro-Beat, der so unbarmherzig hart ist, dass er fast um Gnade winselt.

Dazu kommt die Selbstironie, die man von den Nordlichtern kennt. Kartoffeln ist im WM-Jahr der bisher scharfsinnigste (und amüsanteste) Beitrag zur Debatte über das Nationalgefühl. Auch in Ahn‘ ich gar nich‘ beweist der Mann, der eigentlich Jan Phillip Eißfeldt heißt, dass er ein scharfer Beobachter und famoser Wortakrobat ist.

Trotz allem wäre Mercedes Dance aber bloß ein gutes Album. Es wird herausragend durch zwei alte Säcke: Das Rio-Reiser-Stück Für immer und dich interpretiert Jan Delay – mit einer Intensität, die man ihm nie zugetraut hätte – als echten Schmachtfetzen. Und im famosen Rausschmeißer Im Arsch darf Udo Lindenberg zum Mikro greifen. Er ist ein Bruder im Geiste, denn auch ihm geht es um Spaß. Und um Stil.

Unfassbar intensiv: Das Video zum Rio-Reiser-Cover Für immer und Dich:

Jan Delay bei MySpace.


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