Hingehört: Kilians – „Lines You Should Not Cross“


Künstler Kilians

Eine Band ganz bei sich selbst - so klingen die Kilians auf "Lines You Should Not Cross".

Eine Band ganz bei sich selbst – so klingen die Kilians auf „Lines You Should Not Cross“.

Album Lines You Should Not Cross
Label Grand Hotel von Cleef
Erscheinungsjahr 2012
Bewertung

Thees Uhlmann war schon immer ein Freund und Förderer der Kilians. Mit dem dritten Album Lines You Should Not Cross ist die Band aus Dinslaken nun auch bei seinem Label Grand Hotel von Cleef gelandet. Es muss sich, nachdem sich die Kilians mit Universal nicht auf einen gemeinsamen Weg in die Zukunft einigen konnten, für beide Seiten irgendwie wie eine Heimkehr anfühlen.

Dass sie ganz bei sich und ganz mit sich im Reinen sind, ist die unverkennbarste Erkenntnis nach dem Hören von Lines You Should Not Cross. „Die jüngsten alten Hasen im deutschen Pop-Geschäft“, wie sie die neue Plattenfirma zur Begrüßung gleich mal nennt, klingen unfassbar einig, sehr wie eine Band. Keiner spielt sich auf, und die Songs dazu sind so inspiriert, dass Protzen niemals notwendig wird.

„Durch das Vertrauensverhältnis zu Grand Hotel van Cleef hat sich die ganze Produktion angenehm unaufgeregt angefühlt“, sagt Sänger Simon den Hartog. Und er hat auch noch ein Lob für seinen Buddy Simon Frontzek übrig, der die Platte produziert hat. Der sei ein „wahnsinnig musikalischer Produzent, der einfach auch verstanden hat, was die Idee an dieser Platte ist. Nämlich, dass jeder Song für sich kompakt dasteht“, sagte den Hartog beim Highfield-Festival im Interview mit Noisey.

Die Qualität dieser Lieder ist ebenso beeindruckend wie der Sound von Lines You Should Not Cross. In Deutschland ist man ja immer noch ein bisschen überrascht, wenn Rockmusik plötzlich nach internationalem Standard klingt. Die Kilians hatten freilich reichlich Gelegenheit für Anschauungsunterricht, spielten sie doch unter anderem schon im Vorprogramm für Babyshambles oder Coldplay. Die Erfahrungen haben durchaus den Sound des dritten Kilians-Albums beeinflusst, erklärt Simon den Hartog im Noisey-Interview: „Ich denke schon, dass man sich gerade da, wo die Gitarren viel Delay und viel Hall haben, an die große Stadionband geschmiegt hat. Wir haben immer viel gegengehört, versucht zu vergleichen. Das Interessante war, im Studio zu erkennen, dass am Ende wirklich nur man selbst seine eigene Referenz ist. Immer da wo es abgehen sollte, haben wir versucht, uns in Richtung Arctic Monkeys oder Strokes zu orientieren. Mussten dann aber feststellen, dass der Sound, den die auf ihren Platten machen, grundlegend anders ist, als der, den wir machen wollen. Wir sind eigentlich ziemlich gerade, ziemlich clean, sehr akustisch.“

Der Opener Start Again (hübscher Titel übrigens nach drei Jahren Pause, die die Kilians nach eigenen Angaben genutzt haben „fürs Studium, um zu arbeiten, nebenbei Familien zu gründen et cetera. Musikalisch neu ausgerichtet sind wir eigentlich nicht. Wir haben einfach versucht, das, was wir erlebt haben, zu verarbeiten.“) klingt dann trotzdem/tatsächlich nach den Strokes (in der rotzigen Strophe) und den Arctic Monkeys (im funky Refrain) und hat herrlich viel Hedonismus und Herzblut. Die feine Single Dirty Love ist danach ein bisschen softer, wandelt also eher in den Fußstapfen von Phoenix oder den Kooks. Walk Behind, das ebenso luftig wie komplex daherkommt und die Titelzeile „There are lines you should not cross / you try to pay the loss“ enthält, würde wunderbar zu Incubus passen.

In Just Like You lauert eine brodelnde Leidenschaft unter dem lässigen Klanggewand. Do It Again könnte man fast eine Ballade nennen, wenn nicht so viel Power darin stecken würde. Auch Not Today hat einen tollen Punch und ganz viel Dringlichkeit. Coconut ist eines von vielen Liedern auf dieser Platte, die man sich auf dem letzten Strokes-Album gewünscht hätte oder die ganz nah an dem Wunschtraum dran sind, Madsen würden irgendwann einmal auf Englisch singen.

Dem verspielten Places fehlt ein wenig die Linie und die Idee mit dem oho-Refrain in Never Go To Work Again zündet auch nicht. Für solche kleinen Fehltritte wird man aber entschädigt mit massenweise Liedern wie dem extrem coolen (und gut tanzbaren) In It For The Show, die beweisen, was Simon den Hartog für ein famoser Sänger ist. Und durchweg schaffen es die Kilians auf Lines You Should Not Cross, knackige Songs abzuliefern, an denen kein Gramm Fett ist.

Nach drei Jahren Pause sieht das Video zu Dirty Love nun wirklich nicht aus:

Homepage der Kilians.

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