Hingehört: Kings Of Leon – „Because Of The Times“ 6


Die Kings Of Leon haben diesmal keine Hits, aber noch ganz viel Rock.

Künstler Kings Of Leon
Album Because Of The Times
Label RCA
Erscheinungsjahr 2007
Bewertung ****

Da hilft kein Drumrumreden: Ich habe ein schlechtes Gewissen. Natürlich ist das ständig so, schließlich bin ich katholisch. Aber diesmal fühlt es sich wirklich wie eine schlimme Schuld an. Es geht um Sascha. Ein guter Freund von mir, der auf der shitesite schon öfter erwähnt wurde. Und zwar, so wird jetzt klar, oft als Quelle seltsamer Tipps und Bewertungen.

Damit geschieht ihm Unrecht. Sascha hat, das möchte ich hier noch einmal in aller Deutlichkeit betonen, einen exquisiten Musikgeschmack und ist auch sonst ein feiner Kerl.

Unlängst kamen allerdings ernste Zweifel daran auf – und die Frage, ob Saschas Ohren irgendetwas Schlimmes zugestoßen ist. Es ging um die Kings Of Leon, um Because Of The Times. Wir beide sind Fans der ersten Stunde und hatten uns natürlich entsprechend auf das neue Album gefreut. Aber Sascha behauptete allen Ernstes, diese Platte würde „nicht rocken“. Natürlich, entgegnet ich. Und Amy Winheouse trinkt nicht, und Joe Cocker kann tanzen. Und Dieter Bohlen ist Komponist.

Ein bisschen ist Saschas These allerdings zu verstehen. Denn auf Because Of The Times, ihrem dritten Album, haben es die Kings Of Leon offensichtlich nicht mehr nötig, anzugeben. Es gibt hier kein Molly’s Chambers und auch sonst keine Hits. Sollte man sich einen Song dieser Platte beim DJ wünschen und er würde fragen: „Welchen denn?“, dann hätte man ein ernstes Problem. Die Antwort könnte nur heißen: „Spiel halt das ganze verdammte Album, du Depp.“

Die Band weiß inzwischen so sehr um ihre Stärken, dass sie sie nicht mehr ständig ganz vorne im grellsten Scheinwerferlicht positionieren müssen. Schon beim Opener ist das so: Das siebenminütige (!) Knocked Up schleicht sich an wie Das Ding aus dem Sumpf. Ganze zwei Minuten dauert es, bis das Schlagzeug einsetzt. Aber wie es dann klingt: Wie ein Monster, das Godzilla als Haustier hat, das Hulk zum Frühstück verspeist und böser ist als Wolfgang Schäuble.

Danach macht das tolle Charmer vielleicht am besten deutlich, wie die neuen Kings Of Leon funktionieren: Druck statt Tempo, Wucht im Sound statt protziges Rifforama. Der Rock kommt hier vom Bass, nicht vom Schlagzeug. Und diese Stimme ist natürlich noch immer schlicht irre.

Die neue Souveränität eröffnet auch Möglichkeiten, die es im Followill-Universum bisher nicht gab. Wie Charmer in das grandiose On Call übergeht, hat große, zeitlose Klassse. My Party vollführt ein paar irre Tricks und läutet die unfassbare zweite Hälfte (Sascha hat einen Plattenspieler und würde wohl darauf bestehen, dass man „B-Seite“ sagt) dieser Platte ein.

Das exzellente True Love Way ist famos konstruiert und bringt all die neuen Stärken der Band zur Geltung. Ragoo hat einen verdammt sexy Groove, Fans einen Bass, den man gerne supergeil nennen möchte. Die Atmosphäre von Trunk lässt an Soul-Klassiker denken, oder wenigstens an Purple Rain. Und in Camaro steckt all die Urgewalt des, jawohl: Rock. Sorry, Sascha.

Mein Gott, ein Keyboard-Intro! das wundervolle On Call live bei David Letterman:

Die Kings Of Leon bei MySpace.


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