Hingehört: Nelly Furtado – „Loose“ 6


Nelly Furtado hat ihren Sound gefunden - in Miami.

Künstler Nelly Furtado
Album Loose
Label Geffen
Erscheinungsjahr 2006
Bewertung ***

Ein guter Name für einen Song. Markant, exotisch und mit einem ganz eigenen Rhythmus. Dennoch ist selten etwas daraus geworden. Hall & Oates machten eine Soulpop-Luftnummer daraus, W.A.S.P. sangen darin über Motorräder, bei Godiva ging es tatsächlich um Kannibalismus. Und nun hat Nelly Furtado ein Stück namens Maneater aufgenommen.

Auch da muss man sich wundern. Von all den Pop-Prinzesschen, die in den vergangenen Jahren ihre Karrieren gestartet haben, ist sie sicherlich diejenige, die am wenigsten als männermordende Femme Fatale durchgeht. Die Rolle des Vamp passt doch eher zu Britney oder X-Tina. Nelly Furtado hingegen hielt man bisher für das brave Mädchen von nebenan, mit dem man eine Bootstour machen kann, vielleicht auch ein Bier trinken. Irgendetwas Unverbindliches, Harmloses, bevorzugt unter freiem Himmel.

Das zeigt schon ein bisschen das Problem. Ein rechtes Profil oder gar einen eigenen Stil hat die Kanadierin mit portugiesischen Wurzeln bisher nicht erkennen lassen. Immer ist sie mit Spaß bei der Sache, ein Energiebündel, für alles offen. Aber ob das nun Hip-Hop sein soll, Radiopop oder Folklore (wie ihre letzte CD hieß), das wird dabei nicht klar. Wenn sie gar alles auf einmal liefern will, lässt das Ergebnis den Hörer mitunter unbefriedigt und ratlos zurück.

Diesem Dilemma ist Nelly Furtado auf ihrem dritten Album Loose fast entkommen. Zwar ist die Platte mit 55 Minuten noch immer ein bisschen zu lang. Aber es gibt diesmal einen roten Faden, einen einheitlichen Sound und keine Ausfälle. Das Gerüst ist ein typischer Miami-Sound, also Hip-Hop mit vielen Elektro-Elementen und Pop-Spielereien.

Diese Konsistenz überrascht, wenn man bedenkt, dass hier eine ganze Riege von Star-Produzenten (etwa Timbaland, Lester Mendez, Rick Nowels und Nellee Hooper) beteiligt war. „Mit anderen Produzenten zu arbeiten ist wie Klamotten-Shopping. Man weiß nie, was daraus wird, bis man es am eigenen Leib anprobiert hat“, sagt Nelly Furtado zu diesem Teamwork.

Ihre Stilberater haben ihr den einen oder anderen sexy Fummel herausgesucht (Glow, das famose Promiscuous), Abendkleider (das sanft-elegante Showtime, Say It Right, die hübsche Ballade In God’s Hands und das von Coldplays Chris Martin geschriebene All Good Things), knappe Strandoutfits (No Hay Igual könnte der spanische Bruder von Snoop Doggs Drop It Like It’s Hot sein, Latin-Star Juanes drückt Te Busque seinen Stempel auf) und sogar eine Lack- und Leder-Kluft (der Opener Afraid spielt mit Nu-Metal-Elementen).

Und dann ist da ja noch Maneater: Ein Beat, der so mörderisch ist, dass man beinahe die Geschichte glaubt, im Studio seien Flammen aus den Lautsprechern geschlagen. Der Song ist ebenso urgewaltig wie geheimnisvoll – und natürlich singt Nelly Furtado vom Maneater bloß in der dritten Person.

Ein bisschen Thriller, ein bisschen Billy Elliott: Der Clip zu Maneater:

Nelly Furtado bei MySpace.


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