Hingehört: Roxette – „Way Out“


"Way Out" beweist: Roxette können es auch ohne Kalkül.

„Way Out“ beweist: Roxette können es auch ohne Kalkül.

Künstler Roxette
Single Way Out
Label Emi
Erscheinungsjahr 2011
Bewertung ***1/2

„Wenn ich ein Lied wie Way Out hinbekomme, bin ich zunächst immer extrem glücklich. Denn es ist ein ganz simpler Song – und gerade diese Einfachheit ist meistens besonders schwer hinzukriegen“, hat mir Per Gessle im Interview verraten, als Way Out noch nicht als Single feststand und das Album Charm School gerade in den Startlöchern stand. „Wenn man beim Komponieren gezielt versucht, diese Leichtigkeit zu erreichen, dann sind die Ergebnisse meistens Mist. Aber ein paar Mal in meinem Leben hatte ich das Glück, so ein Lied richtig gut hinzubekommen. Und Way Out ist auf jeden Fall eines davon.“

Er trifft damit den Kern dessen, was dieses Lied ausmacht. Way Out hat kein bisschen von dem bei Roxette sonst gerne mal üblichen Kalkül. Es ist ein enorm spontanes, fast freischwebendes Lied. Das fängt schon mit der seltsamen Maultrommel in den ersten Sekunden an („Das soll ein bisschen das Country-Feeling des Sounds verstärken“, erklärt Per). Danach kommt fast nur Beat und Gesang, sodass man kaum ausmachen kann, ob dieser Song überhaupt aus etwas so Gewöhnlichem wie Akkorden besteht. Effektiver geht es nicht. Und dann wird es denkbar plakativ: eine fette E-Gitarre und Stadiondrums setzen ein, pünktlich nach dem ersten Refrain.

Das vergleichsweise filigrane Break rettet Way Out dann nach dem zweiten Refrain davor, allzu plump zu werden, ein Gitarrensolo baut die Brücke zum letzten Drittel dieser nicht einmal drei Minuten. „Es ist wirklich kurz, und es klingt großartig, wenn man es im Auto hört“, formulierte Per im Interview weitere Vorzüge von Way Out. Stimmt alles.

Als B-Seite gibt es leider nur eine zehn Jahre alte Live-Aufnahme aus Brüssel, aber immerhin eine überraschende: Roxette kombinieren da Crash! Boom! Bang!, den Titelsong ihres 1994er Albums, mit Anyone, einer Single aus dem Jahr 1999. Das ist nicht gerade naheliegend, leuchtet aber trotzdem an: Beide Lieder eint die Liebeskummer-Thematik und der ¾-Takt. Der Übergang ist handwerklich gut gemacht, wirkt aber trotzdem etwas erzwungen.

Ansonsten wird weitgehend originalgetreu musiziert (Crash! Boom! Bang! wird um ein paar Percussions erweitert, Anyone bekommt einen sehr gelungenen Akustik-Schluss). Es gibt jeweils eine Stelle, an der die Fans im Mittelpunkt stehen, und dann wird diese Live-Aufnahme doch noch eine passende B-Seite für diese Single vom Roxette-Comeback-Album: Wenn in Crash! Boom! Bang! der Jubel nach der ersten Zeile losbricht oder in Anyone die Fans ganz alleine singen, dann zeigen sie: Wir kennen diese Lieder noch immer, wir lieben sie. Wir wollen sie immer haben.

Hatte ich schon „plakativ“ gesagt? Roxette spielen Way Out live in Berlin:

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