Hingehört: Tom Petty – „The Last DJ“ 3


"The Last DJ" ist die Nostalgie-Platte von Tom Petty.

Künstler Tom Petty & the Heartbreakers
Album The Last DJ
Label Warner
Erscheinungsjahr 2002
Bewertung ***1/2

Für Rock’n Roll gilt das gleiche wie für fast jede populäre Kunst: In dem Moment, wo er etwas zu kritisieren versucht, wird er hoffnungslos selbstgerecht und dumm.

Damit hat Greil Marcus gar nicht so Unrecht. Noch kritischer wird es, wenn Rockmusik versucht, Rockmusik zu kritisieren. Genauer gesagt: Wenn der Plattenmillionär Tom Petty (auch noch auf dem weithin als Über-Indie bekannten Warner-Label) ein Album namens The Last DJ herausbringt, das im ersten Drittel nichts anderes tut, als auf das ach so kapitalistische Musikbusiness zu schimpfen. „This record is dedicated to everyone who loves music just a little bit more than money“, steht dann auch tatsächlich darauf geschrieben.

„Früher war alles besser“, heißt meist die Message. Die Großen sind Schuld, die Kleinen haben keine Wahl. Das Ganze wäre unerträglich, wären da nicht zwei entscheidende Faktoren:

1. Tom Petty hat Recht. Wenn er im Titelsong The Last DJ mit Zeilen wie „we celebrate mediocricy“ die Gleichschaltung des Radios an der Musik vorbei anprangert, ist das vielleicht weltfremd, aber wahr. Wenn er in Money Becomes King schildert, wie die Maschinerie die Magie töten kann, macht das betroffen, weil man es selbst schon erlebt hat.

Wenn er sich in Dreamville widerstandslos der Nostalgie hingibt, möchte man gerne mit ihm in die Vergangenheit flüchten. Wenn er sich in Joe über gecastete Acts echauffiert, klingt das nur deshalb so erschreckend aggressiv und unfassbar verbittert, weil es so nahe an der Realität ist.

2. Die Musik. Auch hier geht es oft um Nostalgie, ums Erinnern. Mit zwölfsaitiger Seligkeit reicht der Titelsong (ausgerechnet) an die besten Radiohits der Band heran. Die orchestrierte Verträumtheit von Dreamville gemahnt an Simon & Garfunkel. Mit Klavier und plakativen Harmonies erinnert Like A Diamond an die Beach Boys.

Die wunderbare Geschichte des Blue Sunday ist ganz und gar Tom Petty, spielt natürlich auf der Straße und der Rückbank. Das erste echte Liebeslied, You And Me kommt völlig ohne Ballast, dafür mit jeder Menge Schwung – hätte auch gut auf Donovans Sutras-Album gepasst. Das sogar verspielte The Man Who Loves Women beginnt old-timey, wird dann prä-psychedelisch.

Die obligatorischen Ausfälle sollen nicht verschwiegen werden: When A Kid Goes Bad ist höchstens so bedrohlich wie Bambi, Lost Children mäandert ziellos und verkrampft umher.

Der Schluss ist aber über jeden Zweifel erhaben. Have Love, Will Travel ist herzzerreißend und weise, voller Schmerz, aber ohne Groll. „Yeah, when all of this is over / should I lose you in the smoke / I want you to know / you were the one.“ Der Rausschmeißer Can’t Stop The Sun ist Beatles zur Abbey Road-Phase, erklärt Pettys Credo und macht am Ende doch noch seine Militanz verständlich: „And you may think it’s all over / but there’ll be more just like me / who won’t give in / who’ll rise again / can’t stop a man from dreaming / on and on and on.“

Tom Petty & The Heartbreakers spielen das wundervolle Have Love, Will Travel, live bei David Letterman, und dann lästert der Meister noch ein bisschen über das Business:

Tom Petty bei MySpace.


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