Idioten


Film Idioten

Idioten Review Filmkritik

In einem leerstehenden Haus leben die „Idioten“ nach ihren eigenen Regeln.

Produktionsland Dänemark
Jahr 1998
Spielzeit 117 Minuten
Regie Lars von Trier
Hauptdarsteller Bodil Jørgensen, Jens Albinus, Anne Louise Hassing, Troels Lyby, Nikolaj Lie Kaas
Bewertung

Worum geht’s?

Beim Besuch in einem Restaurant erlebt Karen, wie zwei geistig Behinderte für Aufruhr sorgen und deshalb rausgeworfen werden. Sie folgt ihnen, halb aus Neugier, halb aus Mitgefühl, und steigt mit ihnen auch ins Taxi nach Hause. Dabei findet sie heraus: Die beiden Männer haben nur so getan, als seien sie behindert. Sie gehören zu einer Gruppe, die sich als Idioten ausgibt, um einerseits der bürgerlichen Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten, andererseits unterdrückte Gefühle ausleben zu können. Stoffer ist der Kopf der Gruppe, im leerstehenden Haus seines Onkels leben die elf vermeintlichen Idioten als Wohngemeinschaft. Immer wieder unternehmen sie Ausflüge, um ihre Idee in verschiedenen Kontexten erproben zu können, ein Teil von ihnen gibt dabei die Behinderten, ein Teil die Pfleger und Betreuer. Karen schließt sich ihnen an und macht zögerlich mit. Als das Haus von Stoffers Onkel allerdings verkauft werden soll und ein Teil der Gruppe darauf besteht, das Konzept noch radikaler umzusetzen, entstehen erste Risse in der Gemeinschaft.

Das sagt shitesite:

Der zweite Dogma-Film und der erste unter der Regie von Lars von Trier setzt auf ein paar der üblichen Stilmittel, etwa die Handkamera, profitiert aber vor allem von seiner originellen Ausgangsidee. Die Verweigerung von Intellekt und Ratio wird hier zum Protest gegen die Konventionen unserer Gesellschaft. Mit der Figur von Karen wird eine Protagonistin geschaffen, die genau zwischen diesen Extremen steht: Sie kommt von außen (aus welchen Lebensumständen genau, erfährt der Zuschauer erst ganz am Ende des Films) und will ihrem bisherigen Alltag entfliehen, sie fühlt sich angezogen vom Experiment der Idioten, hat zugleich aber Skrupel, ob man sich gegenüber nichtsahnenden Mitmenschen wirklich für minderbemittelt ausgeben und sich in diesem Rollenspiel auch innerhalb der Gruppe alles erlauben darf. Sie hat Respekt vor dem Mitgefühl der Außenstehenden ebenso wie vor dem Schamgefühl der Mitstreiter in der Wohngesellschaft – und steht mit diesem verständnisvollen, empathischen Blick weitgehend allein da.

Das ist das Kernproblem an der Botschaft, die Idioten wohl transportieren will: Beim Plädoyer für Freiheit und Empathie vergessen Stoffer und seine Anhänger die moralischen Grenzen ihrer Mitmenschen. So (absichtlich) dilettantisch wie der Film in seiner Form ist, so plump ist deshalb auch die inhaltliche Aussage. Gerade die Interviewsequenzen, in denen die Beteiligten in Idioten rückblickend auf das Geschehen blicken, belegen das: In der vermeintlich anarchischen WG gibt es sehr wohl Hierarchien, Beziehungen, Intrigen, Eifersüchteleien und Berührungsängste. So bleibt ein Film, der mutig und drastisch ist, aber in vielen Sequenzen auch ebenso hohl und wirr.

Bestes Zitat:

„In der Steinzeit, da mussten die Idioten sterben. Das ist heute nicht mehr so. Ein Idiot zu sein, ist ein Luxus, aber auch ein Fortschritt.“

Der Trailer zum Film.

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