James Bond 007: Keine Zeit zu sterben


Film James Bond 007: Keine Zeit zu sterben

Keine Zeit zu sterben Review Kritik

James Bond (Daniel Craig) muss um seine Position kämpfen.

Produktionsland Großbritannien, USA
Jahr 2021
Spielzeit 163 Minuten
Regie Cary Joji Fukunaga
Hauptdarsteller*innen Daniel Craig, Léa Seydoux, Rami Malek, Ralph Fiennes, Ben Whishaw, Naomie Harris, Rory Kinnear, Jeffrey Wright, Christoph Waltz
Bewertung

Worum geht’s?

James Bond hat viele Jahre lang als britischer Geheimagent gearbeitet, etliche Bösewichte zur Strecke gebracht, reichlich Herzen gebrochen und die eine oder andere (körperliche und seelische) Narbe davongetragen. Jetzt will er seinen Ruhestand in Jamaika genießen. Doch schon bald meldet sich sein Dienstherr wieder: Aus einem Labor in London wurde ein Wissenschaftler entführt. Wie Bond erfährt, hat dieser eine Bio-Waffe namens Herakles entwickelt, die nun ebenfalls in die falschen Hände geraten ist: ein Designer-Virus, das mittels Nano-Bots gezielt vorher definierte Zielpersonen ausschalten kann. Es gibt gleich mehrere Verbindungen zur Verbrecherorganisation Spectre und deren Boss Blofeld, den James Bond hinter Gitter gebracht hat, weshalb er nun erneut aktiv werden soll. Doch Bond ist zunächst nicht davon begeistert, wieder in den Fall einzusteigen, schließlich ist seine Stelle neu besetzt und auch seine Geheimagenten-Nummer 007 bereits neu vergeben, und zwar an eine deutliche jüngere Kollegin. Als er sich doch darauf einlässt, wird schnell klar, wie unmittelbar seine Verbindungen zu der Herakles-Verschwörung sind – und wie groß die Bedrohung ist, die dadurch entstanden ist.

Das sagt shitesite:

Keine Zeit zu sterben ist der 25. Film der Bond-Reihe, und schon vor Beginn der Dreharbeiten war klar, dass es der letzte mit Daniel Craig (der sich ursprünglich schon 2015 nach Spectre verabschieden wollte) in der Hauptrolle sein würde. Es gab also gute Gründe, hier nach etwas Besonderem zu streben. Als weiteres Indiz dafür dürfte man den Ansporn von Regisseur Cary Joji Fukunaga nehmen: Er ist der erste US-Amerikaner, der einen Bond-Film verantworten darf (nachdem der ursprünglich beauftragte Danny Boyle hingeworfen hatte). Der Film wird diesen historischen Marken gerecht.

Es gibt nach einem erstaunlich ruhigen Beginn natürlich wieder klassische Action inklusive wilder Verfolgungsjagden. Wir erleben Autos, die synchron durch eine verschneite Landschaft springen wie im Winter-Ballett, senkrecht aufwärts fliegende Motorräder, dazu noch Stunts auf Schiffen und in Fluggeräten. Es gibt neue Gadgets und klassische Dienstwagen, die Verbindung zu den früheren Teilen wird durch das Drehbuch sehr geschickt und plausibel hergestellt. Mit der Thematisierung von digitaler Bedrohung, MeToo und dem Streben nach Diversität gelingen viele aktuelle Bezüge, selbst das Herakles-Virus als biologische Waffe passt ungewollt bestens in die (Corona-)Zeit.

Die gut zweieinhalb Stunden werden so spannend, galmourös und doppelbödig, wie man das bei einem Bond erwarten darf. Die größte Stärke von Keine Zeit zu sterben ist aber, dass der Film die Attribute noch weiter in den Vordergrund stellt, die Daniel Craig in diese Reihe hineingebracht hat, und die Akzente noch stärker betont, die mit seinen mittlerweile fünf Beiträgen verknüpft sind. Es geht viel mehr um Psychologie als um die Rettung der Welt (die dann natürlich doch noch zu leisten ist), im Fokus steht viel eher das Ringen um Selbstbilder und Fremdwahrnehmung als der Kampf mit einem Gegenspieler oder einer anderen externen Bedrohung. Mehr denn je kann man hier Menschlichkeit, sogar Zärtlichkeit und Brüchigkeit (ohne die es keine Menschlichkeit gibt), erleben.

Das wird für einige Fans vielleicht zu wenig Bond sein, zu politisch korrekt. Manches steht auch tatsächlich im Widerspruch zur Historie dieser Figur oder gar zu ihren eigenen Entscheidungen innerhalb dieses Films, denn nicht immer gelingt es in James Bond 007: Keine Zeit zu sterben, neue Sensibilität und bewährte Virilität widerspruchslos zu vereinen. Trotzdem erkennt man: Für eine Fortsetzung und Weiterentwicklung ist es nicht nur hilfreich, sondern notwendig, den bisherigen Bond vom Sockel zu stoßen. Ihn unangetastet zu lassen und den Reiz dieser Reihe ganz und gar noch spektakuläreren Stunts (was soll da noch kommen?) oder plausiblen Konflikten (wie könnten die erzählt werden?) zu überlassen, ist zum Scheitern verurteilt. Indem der alte Bond hier zu Grabe getragen wird, hat seine Figur eine Chance, weiterzuleben.

Sehr clever kombiniert der Film diesen Ansatz mit dem Plot und dem persönlichen Schicksal seines Helden, der sich hier – auch das ist eine Komponente, die schon in Skyfall angerissen wurde – immer wieder mit Fragen von Herkunft, Familie und Erbe auseinandersetzen muss. Der neue Bond eröffnet sehr klug die Möglichkeit, diesen Faden auch nach 25 Filmen noch weiter zu spinnen und dabei zugleich die Tradition dieser Reihe zu respektieren. Wie heißt es doch an einer Stelle: „So lange wir über unsere Schulter schauen, ist die Vergangenheit nicht tot.“

Bestes Zitat:

„Diejenigen, die Gott spielen, werden von der Geschichte verachtet.“

Der Trailer zum Film.

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