Klangkarussell – „Netzwerk“


Künstler*in Klangkarussell

Klangkarussell Netzwerk Review Kritik

„Netzwerk“ ist bis heute das einzige Album von Klangkarussell.

Album Netzwerk
Label Universal
Erscheinungsjahr 2014
Bewertung

Natürlich wusste alle Welt schon, was ein Klangkarussell ist, als Tobias Rieser und Adrian Held unter diesem Namen 2014 ihr Debütalbum Netzwerk veröffentlichten. Das lag vor allem am Über-Hit Sonnentanz, mit dem sich die beiden Österreicher einen Namen gemacht hatten. Die ursprünglich 2011 veröffentlichte Single wurde ein riesiger Erfolg in Deutschland, Österreich und Belgien, ebenso in der Schweiz und in den Niederlanden. Die später nachgelegte Vocal-Version räumte unter dem Titel Sonnentanz (Sun Don’t Shine) mit dem Gesang von Will Heard dann auch im UK groß ab.

Das ist noch immer gut nachvollziehbar: Selten wurde ein House-Fundament mit so viel Wärme (unter anderem durch den Einsatz eines Vibraphons) kombiniert. Die Synthies scheinen permanent Spannung aufzubauen, zugleich deuten das Saxofon und die Gitarre regelmäßig ein paar Exkursionen an, die diese Dramaturgie zu brechen scheinen, nicht zuletzt gibt es einen wunderbar leichtfüßigen Beat. Der Song ist dann auch auf Netzwerk sowohl im Original als auch in der Vocal-Version zu finden und nach wie vor ein Highlight.

Dennoch ist diese Platte vielleicht eine gute Gelegenheit, noch einmal die naheliegende Frage zu stellen: Wie hat man sich eigentlich ein Klangkarussell vorzustellen? Wird einem da schwindlig? Verschwimmt die Welt außerhalb zu unkenntlichen Schlieren? Wird es angetrieben von Schallwellen oder erzeugt es Töne? Die Antwort, die man von den beiden aus Salzburg stammenden und in Wien lebenden Künstlern erhält, die sich seit Schulzeiten kennen und seit 2011 zusammen Musik machen, lautet: Es klingt in jedem Fall abwechslungsreich.

Auf seinem ersten und bisher einzigen Album kann das Duo zwar keinen zweiten Sonnentanz aufs Parkett legen. Mehr als soldie und durchweg unterhaltsam ist ihr Netzwerk aber eindeutig, was nicht selbstverständlich ist bei größtenteils instrumentalen Tracks. Vielleicht macht sich hier die Musikalität bemerkbar, die bis in die Kindheit der beiden zurückreicht, als Tobias Rieser beispielsweise an der Posaune und Adrian Held an Schlagzeug und Klavier ausgebildet wurde. Noch offensichtlicher ist, dass man es hier mit erstklassigem Handwerk zu tun hat, bei dem Wirkung stets wichtiger ist als Originalität, ohne dass die Ergebnisse deshalb beliebig würden.

Man kann das im Album-Auftakt Eistee aus der Dose hören: Ähnlich wie im Sonnentanz geht es auch hier um Atmosphäre, Stimmung und ein Willkommen. Es gibt weder einen dominanten Rhythmus noch eine prominente Hook, wie man das sonst in der elektronischen Musik kennt, sondern Flächen und Percussions als prägende Elemente. Gegen Ende der Platte kann man auch in All Eyes On You tatsächlich so etwas wie Charakteristika von Klangkarussell erkennen, dazu gehört auch das sehr gelungene Arrangement.

Manches auf Netzwerk ist zwar recht durchschnittlich (Berlin kann man sich wie Paul Kalkbrenner in soft vorstellen, Celebrate klingt wie eine zurückhaltende Version von Justice), manches ist auch weniger als das. So hat man einen Mix aus bluesigem Gesangs-Sample, sehr straightem Beat und einer simplen Pianofigur wie in Moments einfach schon ein paar Mal zu oft gehört. Der verfremdete Asiatinnen-Chor in Sternenkinder verleiht dem Track zwar einen exotischen Touch, reicht aber nicht aus, um den sonst recht ideenlosen Song gut siebeneinhalb Minuten lang interessant zu halten.

Dem stehen aber genug Momente gegenüber, die weit über ein okayes Level hinausragen. Der Titelsong Netzwerk (Falls Like Rain) zeigt eine erstaunliche Entwicklung von House über Pop bis zu einer afrikanischen Passage, ein Stück wie Symmetry würde mit seiner cleveren Indie-Tanzbarkeit beispielsweise zu The Naked And Famous passen. Ein Schlüsselmoment ist We Want Your Soul: In den Strophen zählt eine weibliche Computerstimme diverse Verlockungen auf. Im Refrain weist ein Chor nachdrücklich auf das „We want your soul“ hin, aber nicht aggressiv oder bedrohlich, sondern eher sachlich. Klar ist trotzdem: Klangkarussell würden ihre Seele nur äußerst ungern abgeben, weil sie wohl genau wissen, dass sie für ihre Musik so essentiell ist.

Im Video zu Netzwerk wird es ganz schön halsbrecherisch.

Klangkarussell bei Facebook.

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