Liela Moss – „My Name Is Safe in Your Mouth“


Künstler Liela Moss

Liela Moss My Name Is Safe in Your Mouth Review Kritik

Das Leben auf dem Land prägt „My Name Is Safe in Your Mouth“.

Album My Name Is Safe in Your Mouth
Label Bella Union
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

Seit 2014 lebt Liela Moss in Somerset, einer der ländlichsten Gegenden, die man in England finden kann. Es gibt dort die größte Schlucht des Landes, den Exmoor-Nationalpark, viele Kühe auf den Weiden, aus deren Milch man gerne Cheddar produziert, und reichlich Apfelbäume, aus deren Früchten man noch lieber Cider macht. Die Welt des Musikgeschäfts taucht nur einmal im Jahr dort auf, wenn das Glastonbury-Festival stattfindet. Sonst könnte es keinen größeren Kontrast zu London geben, wo Moss zuvor lebte und 2003 ihre Band The Duke Spirit gegründet hatte.

Dass es ab morgen mit My Name Is Safe in Your Mouth das erste Soloalbum der Sängerin geben wird, hat nichts mit Querelen bei The Duke Spirit zu tun (die Band macht Pause, existiert aber weiterhin), aber sehr viel mit dem Umzug aufs Land.. „Ich war in meinem bescheidenen Studio, umgeben von der Landschaft in Somerset, und habe das Album im Laufe eines Jahres Stück für Stück aufgebaut, nur begleitet von meinem Produzenten und Partner Toby Butler, mit dem ich die gesamte Musik zusammen geschrieben habe“, erzählt Liela Moss über den Entstehungsprozess. „Wir haben nach unserem eigenen Zeitplan gearbeitet, und über alle Jahreszeiten hinweg. Wenn ich beim Singen aus dem Fenster geschaut habe, konnte ich die sich verändernde Natur beobachten und zu den Gestalten da draußen singen. Diese Aussicht war wie eine Nabelschnur: Ich habe kleine Nachrichten von der Welt draußen erhalten, und drinnen im Studio sind daraus die Songs erwachsen, die etwas zurück übertragen haben.“

Wie sie das meint, zeigt bereits der Auftakt Memories And Faces: Liela Moss vergleicht sich darin mit den Erscheinungen der Natur, etwa einem Tier, einem Fluss und einem Sturm, jeweils mit dem Kontrast von „hot blood, cold hand.“ Dazu gibt es Klavier und Streicher, das Ergebnis wird extrem schick und getragen, etwa in der Nähe von Portishead (so heißt übrigens nicht nur eine Band, sondern auch ein Ort in Somerset) oder Goldfrapp. Moon thematisiert die Schönheit und Bedrohlichkeit der Natur, in Subequal begegnen wir wieder Stürmen und Bergen, begleitet von geheimnisvollen Percussions und wehmütige Streichern, auch einer einsame E-Gitarre. New Leaves blickt auf den Kreislauf der Natur und die Hoffnung, die man aus dem Gedanken schöpfen kann, dieser lasse sich auch auf den eigenen Gemütszustand übertragen: „New leaves / where there were dead flowers.“

Dass diese Flucht aus der Urbanität für Liela Moss durchaus auch eine spirituelle Komponente hat, bestätigt sie gerne: „Ich habe Melodien aus einem abstrakten, tagträumerischen Raum herausgekitzelt, bis ich mich wirklich gefühlt habe, als würde ich Mutter Natur höchstselbst mit meinem Gesang zum Leben erwecken – das Musikmachen wurde manchmal zu einem Akt der Hingabe. Ich habe die einfache Freude genossen, Klänge in meinem Mund immer und immer wieder zu verändern und heranzuzüchten, bis ich darin so etwas wie ein neues Leben spürte, eine Elektrizität.“

Ganz überraschend kommt das nicht, schließlich hat die Sängerin ihre Fähigkeit (und ihr Talent) zur Introspektive schon bei The Duke Spirit gezeigt, die Band hatte sich zuletzt mit Sky Is Mine (2017) ebenfalls schon ein wenig vom Rock entfernt, nicht zuletzt hatte sie gemeinsam mit Butler (der auch Bassist bei Duke Spirit ist) das Synth-Rock-Projekt Roman Remains ins Leben gerufen, um eine neue Klangwelt zu erkunden. Mit My Name Is Safe in Your Mouth verfolgt sie diesen Ansatz aber noch viel konsequenter, nicht nur in der Arbeitsweise („Diese Platte zu machen, hat sich für mich wirklich exotisch angefühlt, weil der Prozess so minimalistisch war“, sagt Liela Moss), sondern auch im Ergebnis.

Das geisterhafte Wiegenlied Into The Flesh enthält tatsächlich viele Elemente, die scheinbar noch nicht richtig Gestalt angenommen haben, im mysteriösen Manipura spricht sie vielleicht eine Göttin an, die sie um Beistand oder Vergebung bittet. Das Thema von Above You, Around You ist bezeichnenderweise die Eigenständigkeit. Der Song ist intensiv, fordernd und hätte – wenn auch nicht mit dieser Instrumentierung, so doch mit dieser Dramaturgie – vielleicht auch ins Repertoire von Duke Spirit gepasst.

Sonst sieht die Sängerin wenig Schnittmengen: „Während ich langsam den Tentakeln der Stadt entkam, sammelte ich eine Menge von Gesangsideen an, die ich nicht mit großem Schlagzeug und verzerrten Gitarren kombinieren wollte. Ich arbeite ja immer an einigen Projekten gleichzeitig, und die Möglichkeit, mich in diesen unterschiedlichen musikalischen Welten zu bewegen, macht mich sehr zufrieden. Mit diesem Album bin ich aber noch viel weiter gegangen, und es ging dabei nicht um meine eigene Genugtuung. Ich bin in die Zone von wortlosen, kargen, Haiku-what-the-fuck, stummen, persönlichen Offenbarungen gegangen.“

Wie das klingen kann, zeigt Wild As Fire am eindrucksvollsten, auch weil darin etwa im ersten Refrain klar wird, wie unwiderstehlich die Kombination weiterhin sein kann, die nur aus ihrer Stimme und einer E-Gitarre besteht. Salutation müsste man vielleicht langweilig nennen, wäre es nicht so vollgestopft mit Gefühl. Im reduzierten Hidden Sea singt Liela Moss über ein Meer, das in ihr selbst ist. So sehr dort auch manchmal die Wellen toben möchten und so viele dunkle Geheimnisse vielleicht auf dem Grund lauern: My Name Is Safe in Your Mouth lässt vermuten, dass dieses Meer ein Idyll ist, und dass Liela Moss darum weiß.

Wald und Wiesen haben im Video zu Wild As Fire mindestens eine prominente Nebenrolle.

Liela Moss bei Facebook.

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