Marie Antoinette


Film Marie Antoinette

Marie Antoinette Review Kritik

Marie Antoinette (Kirsten Dunst) wird am Hof von Versaille nicht glücklich.

Produktionsland USA
Jahr 2006
Spielzeit 123 Minuten
Regie Sofia Coppola
Hauptdarsteller Kirsten Dunst, Jason Schwartzman, Judy Davis, Rip Torn, Rose Byrne, Asia Argento, Marianne Faithful, Steve Coogan
Bewertung

Worum geht’s?

Österreich, 1768: Die 13-jährige Prinzessin Marie Antoinette macht sich bereit für ihre Reise nach Versailles. Sie soll den französischen Dauphin heiraten, um die Bindung zwischen den beiden Reichen zu festigen. Als Ehefrau merkt sie allerdings schnell, wie isoliert sie am Hofe ist. Selbst ihr Gatte bietet ihr wenig Unterstützung: Er ist kein bisschen an Konversation mit ihr interessiert und noch weniger am Vollzug der Ehe, sodass ihre Stellung erst recht anfechtbar bleibt. Als er nach dem Tod seines Vaters zum König wird und Marie Antoinette endlich einen Sohn zur Welt bringt, hat sie sich einigermaßen mit der Situation arrangiert. Doch ihr Rückzug aus der höfischen Gesellschaft und später auf ihren Landsitz bedeutet auch, dass sie die gravierenden historischen Veränderungen in Frankreich nicht mitbekommt. Als die Bürger von Paris schließlich 1789 die Bastille stürmen und dann auch das Herrscherpaar für Armut und Hunger im Land zur Verantwortung ziehen wollen, bricht die Realität mit voller Wucht in ihren goldenen Käfig hinein.

Das sagt shitesite:

Es ist viel über die Deutung von Marie Antoinette gestritten worden. Soll das der Versuch sein, eine historische Figur in einem anderen Licht zu zeigen? Ist es einfach eine popkulturelle Spielerei mit einem spektakulären Stoff der europäischen Geschichte? Es gab Buh-Rufe bei Pressevorführungen und vor allem in Frankreich teils heftige Debatten, als der Film bei den Festspielen von Cannes seine Premiere feierte. Dabei ist die Antwort bei der Suche nach der Kernbotschaft eigentlich recht einfach, denn Sofia Coppola variiert hier das Thema, das sie schon in The Virgin Suicides und Lost In Translation in den Mittelpunkt gestellt hatte: Eine junge Frau sucht ihren Platz in der Welt.

Dass sie sich als Protagonistin ausgerechnet Marie Antoinette ausgesucht hat, erklärt einen Teil der Kontroverse. Vor allem in Frankreich ist sie immer noch ein Hassobjekt, die Verkörperung von Ancien Régime, Dekadenz und Verschwendung. In diesem Film erscheint sie indes mindestens ebenso sehr als Opfer wie als Tyrannin: Gerade zu Beginn ist sie mädchenhaft statt staatsmännisch, hat Flausen im Kopf statt Diplomatie im Sinn. Dieser schwärmerische Charakter leidet unter der Ehe mit dem verknöcherten Ludwig XVI. ebenso wie unter den Zuständen in Versailles. Hier herrschen Etikette, Intrige, Protokoll, Klatsch und nicht zuletzt Langeweile, aus der sie etwa mit Glücksspiel, Völlerei und einer kleinen Gruppe von Vertrauten, die sie für diese kleinen Vergnügungen um sich schart, einen Ausweg sucht.

Dieser Blick auf ihre Biografie macht deutlich, warum sich Marie Antoinette für den Ansatz von Sofia Coppola geradezu audfrängt: Sie ist geboren als Erzherzogin von Gottes Gnaden, sie ist später Königin in einem absolutistischen Herrschaftssystem, sie verfügt über immense Mittel. Dennoch ist sie weit davon entfernt, ihr eigenes Schicksal gestalten zu können. Mehr noch: Sie ist selbst in ihrem engsten sozialen Umfeld nicht akzeptiert. Erst als Mutter bekommt sie dort einen Wert, fremdbestimmt bleibt sie dennoch, auch als Monarchin. Interessant ist diese Konstellation auch wegen der Möglichkeiten, die sie für aktuelle Bezüge bietet. Als Dauphine und auch als Königin umgibt sich Marie Antoinette mit eine Clique von Begleiterinnen, die ebenso emsig das leichte Leben lieben, Saus und Braus genießen, sich vor allem aber vollständig vom Rest der Gesellschaft abkoppeln. Es fällt nicht schwer, darin die Vorlieben der modernen High Society oder heutiger IT-Girls wiederzuerkennen. Zu diesem Gedanken passt auch die grandiose Ausstattung von Marie Antoinette, die in ihrer Opulenz auch zeigt: Was den heutigen Teenies ihr Smartphone oder die Designer-Handtasche ist, war den jungen Mädchen vor 250 Jahren der Fecher. Eine weitere Parallele: Vom Essen über das Ankleiden bis hin zur Hochzeitsnacht – alles passiert im Leben der jungen Prinzessin vor Publikum. Die Folgen für Privatsphäre, Selbstinszenierung und Gerüchteküche sind vergleichbar mit dem, was heute durch soziale Netzwerke entsteht.

Zu diesem Versuch der Aktualisierung des Themas passt natürlich auch die Ästhetik von Marie Antoinette. Vielmehr als mit seinem Inhalt besticht der Film als ein Augen- und Ohrenschmaus, den die Regisseurin ausnehmend modern und mutig interpretiert. Bevor man irgendein Bild sieht, ertönt in den ersten Sekunden auf der Leinwand ein Punksong von Siouxsie And The Banshees, später sind neben ein paar Sequenzen mit Rokoko-Musik auch The Strokes, New Order oder The Cure zu hören. Der Schriftzug mit dem Filmtitel ist an das Cover von Never Mind The Bollocks (Sex Pistols) angelehnt, dazu kommt die legendäre Szene mit den Chucks bei einem Ball im Palast. Oft sieht Marie Antoinette aus wie ein Videoclip, nicht wie ein Historienfilm.

Der Fokus auf der Form und dem Innenleben der Titelfigur führt dazu, dass Marie Antoinette keinen richtigen Spannungsbogen hat, nach dem endlich vollzogenen Beischlaf im königlichen Ehebett gibt es auch keinen eigentlichen Konflikt mehr. Wer keine Lust auf visuelles Vergnügen oder wenig Spaß an popkulturellen Zitaten hat, wird den Film deshalb wohl langweilig finden können. Auch als Biopic im ursprünglichen Sinne ist das Werk wenig geeignet, denn letztlich ist es fraglich, ob Sofia Coppola der historischen Figur gerecht wird (und ob sie das überhaupt anstrebt). Was ihr hingegen meisterhaft gelingt: Sie macht aus der historischen Figur einen echten Menschen, ein unglückliches, verwöhntes Mädchen.

Bestes Zitat:

„Bedenke stets, dasss du solange in Unsicherheit bleiben wirst, bis du einen Thronfolger geboren hast.“

Der Trailer zum Film.

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