Peter Broderick – „Colours Of The Night“


Künstler Peter Broderick

Peter Broderick Colours Of The Night Review Kritik

Peter Broderick hat „Colours Of The Night“ nach einer Einladung in die Schweiz aufgenommen.

Album Colours Of The Night
Label Bella Union
Erscheinungsjahr 2015
Bewertung

Zwei Songtitel sind sehr hilfreich, wenn man Colours Of The Night, das 2015er-Album von Peter Broderick, verstehen will. Der erste lautet Get On With Your Life. Das dazugehörige Lied klingt spannend, konzentriert und entschlossen wie ein Spaziergang über Treibsand oder vermintes Gelände, und dieser Sound ist ebenfalls ein gutes Indiz. Denn nach dem Album http://www.itstartshear.com (2012) geriet der aus Oregon stammende Künstler in eine gesundheitliche und kreative Krise, ausgelöst durch die Erkenntnis, dass sich die darauf versammelten Songs nicht live auf die Bühne übertragen lassen. Der sonst sehr umtriebige Künstler zog sich zurück und musste Kraft sammeln. Der zweite Songtitel lautet Rotebode. Das gleichnamige Stück beschließt das Album als instrumentales Outro, es ist benannt nach einem Ort in der Nähe von Luzern. Denn genau dort begann die musikalische Wiederauferstehung von Broderick: In der Stadt in der Schweiz hatte er mehrfach Station während seiner Tourneen gemacht und einige Freundschaften geschlossen, nun wurde er offiziell nach Luzern eingeladen, um dort drei Wochen zu leben und mit lokalen Musikern als Begleitband eine Platte im Studio von Timo Keller (der sonst auf HipHop spezialisiert ist) aufzunehmen.

Wer mit dem Werk von Peter Broderick vertraut ist, wird spätestens bei dieser Randbedingung hellhörig werden. Der Multi-Instrumentalist ist durchaus ein Freund von Kollaborationen, er hat mit Efterklang, Zooey Deschanel, M. Ward, Machinefabriek, Neon Dance oder Nils Frahm gearbeitet, erst vor wenigen Tagen hat er zudem das Album Peter Broderick & Friends Play Arthur Russell veröffentlicht. Doch auf seinen Platten war es ihm bisher wichtig, alle Instrumente selbst einzuspielen. Für Colours Of The Night ließ er sich erstmals auf das Experiment mit einer Begleitband ein. „Ich kam mit einem ganzen Haufen von Songs an und habe dann beobachtet, wie sie sich entwickelt haben, nachdem sie durch den Filter dieser Gruppe von Musikern gelaufen waren, die einen ganz anderen Hintergrund haben“, erzählt Broderick. „Es war spannend, ein bisschen loszulassen. Es hat mir geholfen, meine eigene Rolle in der Musik zu vereinfachen und zu festigen.“

Diese Leichtigkeit kann man beispielsweise dem Titelsong anhören, der acapella beginnt und dann einen federnden, reizvollen Schwung entwickelt rund um die Erkenntnis, die wohl auch mit dem Genesungsprozess des Künstlers zusammenhängt: „All the colours of the night / turn every darkness into the light.“ The Reconnection verbreitet so etwas wie Doo-Wop-Heiterkeit, die rhythmischen Experimente in One Way lassen an die Beta Band denken, More And More erweist sich als schönstes Lied der Platte, es beginnt extrem reduziert und entwickelt sich dann hin zu einem tollen Bläser-Finale – wie Cake ohne Ironie.

Dem stehen Stücke wie If I Sinned gegenüber, das fast sakralen Charakter hat, oder On Time, das behutsam kreisend bleibt, zwischendurch aber auch etwas Dramatik offenbart. Our Best verströmt beinahe etwas Country-Flair, es könnte einer der besinnlichen Momente von Ryan Adams sein. Besonders typisch für Colours Of The Night ist schon der erste Song der Platte, denn er zeigt, wie gut das Konzept funktioniert hat. Obwohl Peter Broderick hier mit für ihn fremden Musikern arbeitet und obwohl diese Musiker für sie fremdes Material umsetzen, entsteht in Red Earth schnell eine intime, vertrauliche Atmosphäre, die dann für die folgenden neun Stücke bestehen bleibt.

Schon wieder eine spontane Zusammenarbeit: Peter Broderick spielt Colours Of The Night live.

Website von Peter Broderick.

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