******** – „The Drink“


Künstler ********

The Drink ******** Kritik Rezension

„The Drink“ war ursprünglich nicht als physischer Release geplant.

Album The Drink
Label Domino
Erscheinungsjahr 2018
Bewertung

Superlative sind ja gerne genommen, also fangen wir ruhig damit an: The Drink ist das erste und letzte Album von ********. Sie haben mit I’m A Zookeeper (Not A Goalkeeper) schon jetzt den (wahrscheinlich) besten Songtitel des Jahres abgeliefert. Auf Readymade gibt es das am wenigsten ausgelassene „Bababa” des Jahrzehnts zu hören. Definitiv in den Top 10 der schrägsten Coverversionen aller Zeiten schafft es Practical Song (aka The Logical Song), das zum Original von Supertramp noch eine Passage aus Coolios Gangsta’s Paradise hinzu packt.

Wer jetzt keine Ahnung hat, wie ******** klingen, dem wird es auch kaum helfen, wenn die restlichen der zwölf Tracks auf The Drink (wie ich es unten tun werde) beschrieben werden. Jeder Song auf dieser Platte ist eigenständig, als sei er von einem anderen Act als alle anderen. Das hat auch mit der Entstehungsgeschichte zu tun: ******** sind ein Duo bestehend aus Ailie Ormston und Ω, ihre Musik haben sie ursprünglich bloß auf YouTube veröffentlicht. Die zwölf Songs, Stück für Stück innerhalb eines Jahres entstanden, gibt es jetzt erstmals als physisches Produkt. „Autorschaft und Individualismus werden hinterfragt, der Wert von Eigentum wird herausgefordert“, beschreiben sie ihren Ansatz, der „zu 85 Prozent ehrlich, zu 15 Prozent falsch zitiert und zu 100 Prozent ernsthaft“ sein soll.

Der Titelsong am Beginn des Albums ist ein Noise-Instrumental und klingt, als würde ein Zahnarztbohrer den Groove lernen. Kinderpunsch beginnt mit einem Sample aus “We wish you a merry Christmas” und fährt dann seifige Synthies, ein schiefes Saxofonsolo und einen stoischen Bass auf. Schweppes Bitter Lemon wird eine kleine Rockoper, allerdings ohne Pomp und Pathos.

Trish hat kein Problem damit, penetrant zu sein, und könnte sich in der Nachbarschaft von Velvet Underground wohlfühlen. In Signs Of Life In The Computer werden zwei Gesangsspuren sehr clever gegeneinander gestellt, sodass eine Trägheit und Coolness wie bei Beck entsteht. Der beträchtliche Charme von Doberman erwächst gerade daraus, dass es so sperrig sein will. Scottish Water braucht fast keine Instrumente und schafft es dennoch, eine völlig eigenständige Klangwelt zu entwerfen – und ist damit durchaus typisch für die Methoden von ********.

Bowling Green eiert und leiert, als hätte man Dope nicht in die Hirne der Musiker oder Hörer gesteckt, sondern direkt in den Plattenspieler oder direkt in die Noten. Comedian könnte als Soundtrack zu einem Spaghettiwestern funktionieren, in dem es keinerlei Glauben an Ehre, Gerechtigkeit und Zukunft mehr gibt. Damit zeigt der Track, dass es immerhin eine Gemeinsamkeit all der Stücke auf The Drink gibt: Sie haben einen harten Blick auf eine harte Welt.

Nicht unpassend: Ein Video zum Practical Song aus einer Spülmaschine.

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