The Sounds, Conne Island, Leipzig 1


Man muss nicht nach Mittelamerika, um einen Maja-Kult zu erleben.

Man muss nicht nach Mittelamerika, um einen Maja-Kult zu erleben.

Der wichtigste Moment dieses Konzerts findet ungefähr eine halbe Stunde, bevor The Sounds die Bühne in Leipzig betreten, statt. Da öffnet sich die Tür des schwarzen Tourbusses, der mitten vor dem Conne Island parkt. In der Tür steht Maja Ivarsson, in Hot Pants und Jeansweste. Sie dehnt sich ein bisschen, streckt die nun auch schon 31 Jahre alten, endlos langen Beine, sie lockert Schultern und Rücken. Und, das wichtigste: Sie raucht dabei. Deshalb hatte sie die Tür geöffnet, nun pustet sie den Qualm in den Leipziger Sommerabend. Es ist die perfekte Rockstar-Pose – gerade, weil sie sich unbeobachtet fühlt und eben nicht posiert, sondern einfach da ist.

Neben tollen Melodien, Hits am Fließband und einer Attraktivität, die für vier Bands gereicht hätte, ist das wohl das Geheimnis der Sounds: So konventionell ihre Mischung aus Pop-Affinität und Punk-Attitüde mittlerweile auch sein mag, so glaubwürdig ist doch ihre Umsetzung. Hipster und Mainstream – beides wird von den Schweden bedient, weil The Sounds sich in keiner Richtung anbiedern, sondern einfach machen, was ihnen gefällt.

Dance With The Devil macht in Leipzig wie auf dem aktuellen Album Something To Die For den Auftakt, es folgt ein ebenso famoses Seven Days A Week. Nach diesen beiden Songs wendet sich Maja Ivarsson erstmals an die Fans. Und was sagt sie? Dass sie betrunken ist, verschwitzt, und dass sie heute Abend Spaß haben möchte. Es gibt eine Menge Frontmänner und –frauen, aus deren Mund so ein Spruch cheesy klingen würde. Bei ihr klingt es spontan.

Danach stürzt sie sich in No One Sleeps When I’m Awake, dann gibt es The No No Song und schließlich springt Maja zum Crowdsurfen in die Menge. Sie legt die Jacke ab und stellt nach einer guten Viertelstunde fest: “You’re amazing! And we’re just getting started.“

Im Conne Island in Leipzig herrscht längst eine Temperatur, die sich bestens zum Sprossenzüchten eignen dürfte (nach wie vor sammelt man hier aber lieber für die Antifa als für eine Klimaanlage). Spätestens jetzt ist klar: Maja Ivarsson ist die schwedische Rampensau, die wir heimlich alle gerne sein (oder abschleppen) wollen. Sie ist Role Model und Pin-Up-Girl, der ultimative Rockstar. Später gibt es in Leipzig Sprechchöre, die nicht „The Sounds“ skandieren, sondern ihren Namen. Das ist ein Maja-Kult, der mit Pyramiden oder dem Weltuntergang nun wirklich gar nichts zu tun hat. Und er lässt sie trotzdem fast kalt: „Uns gibt es schon so lange, dass das Publikum weiß, dass die Sexiness nur ein Gimmick ist und viel mehr dahinter steckt. Andererseits ist das auch ein Vorteil als Mädchen. Wenn du gut aussiehst, kannst du das nutzen. Da ist nichts Falsches dran“, hat Maja Ivarsson im Interview mit news.de klargestellt. Viel cooler kann man mit dem eigenen Status als Sexsymbol nicht umgehen.

Mit der Ballade Wish You Were Here gibt es einen kleinen Moment zum Verschnaufen, dann wieder reichlich Vollgas und Körpereinsatz. Um den Durst zu stillen, leiht sich Maja Ivarsson sogar kurz einen Drink von den Fans in der ersten Reihe. Painted By Numbers und 4 Songs And A Fight werden zu Highlights. „Ich liebe euch alles“, entfährt es der Sängerin. Beim letzten Lied wickelt sie sich eine aus dem Publikum gereichte Schweden-Fahne um den Hals und bringt all den Stolz, all die Spannung und all die Erschöpfung dieses Abends noch einmal auf den Punkt: „I hope you’re fucking happy, bitches.“ Sind wir, Maja, sind wir.

Hot Hot Heat: The Sounds spielen No One Sleeps When I’m Awake live im Conne Island in Leipzig:


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Ein Gedanke zu “The Sounds, Conne Island, Leipzig

  • marie

    na,da scheint einer ja richtig verliebt in maya zu sein 🙂 guter artikel,nur hat sie nicht von sich behaupte sie sei betrunken und verschwitzt und auf spaß hoffe,sondern: i guess you are all drunk,sweaty and gonna have fun!